Familie Richter – Themenartikel
Familie Richter - Hauptartikel

Genuss, Gewohnheit und Gesundheit: Alles über Zucker

Familie Richter fragt sich: Was unterscheidet verschiedene Zuckerarten? Und ist Zucker für den Körper per se schädlich?
Neujahres-Vorsätze: Die Richters richten ihr Augenmerk...
...dabei ganz auf gesundheitliche Fragen zum Thema «Zucker».

Wenn man Roman Schär in seiner Backstube in Truttikon ZH über die Schulter schaut, merkt man sofort, wie sehr er die Arbeit liebt: Teig wird geknetet, Brötchen auf Bleche gelegt, Zucker sorgfältig abgewogen. «Für uns ist Zucker nicht böse», sagt der Bäcker vom Wylandbeck. «Wir setzen ihn bewusst ein – als Aromaträger, zur Stabilisierung von Eiweissmassen oder um einem Zopf den perfekten Glanz zu geben. Entscheidend ist die Menge.» Rund 4000 Kilogramm Schweizer Zucker verarbeitet seine Bäckerei pro Jahr, vor allem in reichhaltigen Teigen und Torten – immer mit Blick auf Qualität und regionale Produktewie er im Video ausführt: 

Die Schweiz reduziert zugesetzten Zucker 

In der Schweiz gibt es kein gesetzlich vorgeschriebenes Maximum für zugesetzten Zucker in Lebensmitteln. Jedoch verpflichten sich 21 Lebensmittelunternehmen im Rahmen der «Erklärung von Mailand» freiwillig, den zugesetzten Zucker in ihren Produkten zu reduzieren.  

Und dies bisher erfolgreich: Bei Cerealien beträgt die Zuckerreduktion seit der erstmaligen Unterzeichnung im Jahr 2015 rund 40 Prozent, bei gewissen Milchprodukten und Erfrischungsgetränken sind es immerhin zwischen zehn und 14 Prozent. Bis Ende 2028 soll der Zuckerzusatz in Erfrischungs- und Milchmischgetränken um weitere zehn Prozent, in Joghurts um weitere fünf Prozent sinken.  

21 Schweizer Firmen haben die Erklärung von Mailand 2025-2028 unterzeichnet. Die 21. Firma ist die Wander AG.

Doch warum wollen diese Unternehmen zugesetzten Zucker in ihren Produkten reduzieren? Ist Zucker per se «schädlich»? Wie sich Zucker im Körper auswirkt, erklärt Ernährungsberaterin Vanessa Brand im Podcast, und greift dabei Aspekte auf, die auch Roman Schär im Video angesprochen hat: «Kleine Mengen Zucker, über den Tag verteilt oder nach einer Mahlzeit, sind unproblematisch. Es kommt wirklich auf die Menge an.» 

Dabei unterscheidet Brand verschiedene Zuckerarten: Einfachzucker wie Glucose oder Fructose gelangen schnell ins Blut, Zweifachzucker wie Saccharose ebenfalls, während Mehrfachzucker wie Stärke langsamer aufgenommen werden.

Zucker ist nicht gleich Zucker: Die Chemie unterscheidet drei grosse Hauptgruppen.


Auch die Verarbeitung des Lebensmittels spielt eine Rolle: Flüssiger Zucker, etwa in Säften oder Softdrinks, wirkt schneller auf den Blutzucker als Vollkornbrot. «Unser Körper braucht Zucker», betont Vanessa Brand. 
«Aber wenn wir zu viel davon konsumieren, kann das langfristig zu Übergewicht oder gesundheitlichen Problemen führen.» 
 

Macht Zucker Kinder «gross & stark»? 

Für Kinder gelten ähnliche Regeln, auch wenn ihr täglicher Konsum tendenziell höher ist als bei Erwachsenen. «Kinder nehmen im Durchschnitt 95 Gramm süsse Produkte pro Tag zu sich», sagt Vanessa Brand. Und was auf viele Gewohnheiten zutrifft, gilt auch für den Umgang mit Zucker: «Wer schon als Kind regelmässig Zucker konsumiert, tut sich als Erwachsener schwerer, diese Gewohnheiten wieder loszuwerden.» Deshalb empfiehlt sie, Süsses nach Möglichkeit bei Mahlzeiten zu geniessen, den Konsum schrittweise zu reduzieren und Zucker möglichst in Kombination mit Proteinen oder Ballaststoffen zu essen. 

Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist zugesetzter Zucker nicht notwendig: Der Körper erhält ausreichend Zucker und Energie aus natürlich vorkommenden Zuckern sowie aus anderen Kohlenhydraten in unverarbeiteten Lebensmitteln. Doch viele Lebensmittelunternehmen fügen ihren Produkten Zucker zu, weil er diese süsser, länger haltbar und für Konsumentinnen und Konsumenten attraktiver macht. 

Denn wir Menschen haben eine angeborene Vorliebe für die Geschmacksrichtung «süss» – schon die Muttermilch schmeckt süss. Süsse Signale stehen evolutionär für schnelle, sichere Energie. Da viele Unternehmen weltweit das Marktpotenzial von zugesetztem Zucker erkannt haben, fügen sie ihren Produkten – vor allem Süssgetränken – so viel Zucker zu, dass dies gesundheitlich problematisch wird. 

Süsse Steuer im Kampf gegen die «Zuckerkrankheit» 

Regelmässiger Konsum von stark zuckerhaltigen Getränken erhöht das Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich. Eine aktuelle globale Modellierungsstudie schätzt, dass im Jahr 2020 weltweit rund 2,2 Millionen neue Fälle von Typ-2-Diabetes direkt auf den Konsum zuckergesüsster Getränke zurückzuführen waren – knapp jede zehnte Neuerkrankung. 

Deshalb haben viele Länder eine sogenannte «Zuckersteuer» auf zuckergesüsste Getränke eingeführt: Weltweilt gibt es mittlerweile über 100 nationale Steuern auf zuckergesüsste Getränke; eine WHO-Analyse aus dem Jahr 2023 spricht von mindestens 108 Ländern mit nationaler Verbrauchssteuer auf mindestens einen Typ Süssgetränk.  

In Europa kennen diese «Sugary Drink Tax» etwa die Länder Frankreich und Grossbritannien, seit Anfang 2026 ist auch Litauen mit dabei
 

Grüne Markierung: Staaten mit Zuckersteuer, Grau: Unklare Datenlage. Orange Länder: Zuckersteuer gilt nicht für kohlensäurehaltige Getränke. Violett: Nationen ohne «sugary drink tax»..

Fragwürdige Marktstrategie 

Was das Zusetzen von Zucker in Lebensmittelprodukten rund um den Globus angeht, sorge jüngst das Schweizer Grossunternehmen Nestlé für Wirbel: Eine Studie im Auftrag von Public Eye deckte im November 2025 auf, dass der Säuglingsbrei «Cerelac» von Nestlé 6 Gramm Zucker enthält – jedoch nur, wenn er in afrikanischen Staaten verkauft wird. Wird das gleiche Produkt in Europa verkauft, enthält es keinen zugesetzten Zucker.  

Besonders widersprüchlich: Auf einer Website für südafrikanische Eltern schreibt der Konzern, Kinder könnten sich an süsses Essen gewöhnen, ein hoher Zuckerkonsum sei bei Kindern mit kurz- und langfristigen Risiken verbunden und daher sei es «am besten, den Konsum aller zugesetzten Zucker einzuschränken.» 

Aller Anfang ist schwer... 

Persönlich durchlebt hat eine radikale Zuckerreduktion die gelernte Köchin Vivienne Brühwiler – und zwar ganz bewusst: Für drei Monate verzichtete sie komplett auf zugesetzten Zucker. «Tagsüber war ich durchgehend fitter, meine Haut wurde reiner und ich verlor Körperfett», erzählt sie im Interview am Ende dieses Beitrags. «Der

+

Verzicht fiel am Anfang schwerer, aber nach einer Woche hatte sich meine neue Essgewohnheit bereits eingependelt.» Auch der Geschmackssinn reagierte«Als ich nach dem Experiment wieder Zucker ass, war es für mich anfangs übertrieben süss und hat mir gar nicht mehr geschmeckt», sagt Brühwiler im Interview. 

Heute, rund ein Jahr später, konsumiert die angehende Studentin wieder regelmässig zugesetzten Zucker: «Ich gönne mir ab und an wieder etwas Süsses. Denn wenn man auf alles verzichten würde, nur, weil es gesund ist, wäre das Leben ganz schön trostlos», sdie 23-JährigeDie emotionale Perspektive des Zuckerkonsums hat bereits Ernährungsexpertin Brand in der vorhergehenden Podcast-Folge aufgegriffen: «Zucker kann nicht nur Energie geben und Genuss bereiten – er kann auch trösten.» 

Den Genuss steuern – nicht umgekehrt 

Ist dieser stets schnell und unkompliziert verfügbare Instant-Trost der Grund, warum Vivienne Brühwiler ihren Selbstversuch abbrach – obwohl ihr Zucker am Ende des Experiments nicht einmal mehr schmeckte? Die gelernte Köchin verneint, der Abbruch habe einen «pragmatischen Grund» gehabt: die Prüfungsphase. «Mein Kopf benötigte während der BMS-Prüfungen den ganzen Zucker einfach...», resümiert Brühwiler ein Jahr später. Auch wenn ihr Selbstversuch Vergangenheit ist: Die Erfahrung der gelernten Köchin zeigt, dass bewusste Entscheidungen helfen, den Genuss zu steuern, statt von ihm gesteuert zu werden.  

Interessante Zahlen und Fakten rund um zugesetzten Zucker.

Zwischen Backstube, Ernährungszentrum und Selbstversuch wird deutlich: Zucker ist mehr als nur ein Geschmacksträger. Er kann ein Highlight auf dem Teller sein, aber auch ein Faktor für Übergewicht und Stoffwechselprobleme. Entscheidend ist, ihn bewusst einzusetzen – und wie bei so vielem im Leben gilt: Balance statt Extrem.  

Interview der Woche

«Meine Kondition wurde besser, meine Haut reiner»

Vivienne Brühwiler (23) ist gelernte Köchin und beschäftigt sich seit Jahren mit Ernährung und Gesundheit. Als experimentierfreudiger Genussmensch wagte sie von Februar bis April 2025 einen Selbstversuch: drei Monate komplett ohne zugesetzten Zucker. Im Interview erzählt sie, wie sie diese Zeit körperlich und psychisch erlebt hat – und wie sie ein Jahr später über das Experiment denkt. 

Frau Brühwiler, ein Vierteljahr ohne Zuckerzusatz! Was hat Sie auf die Idee gebracht, sich dieser Herausforderung zu stellen? 

Vivienne Brühwiler: Zu dieser Zeit, also vor einem Jahr, bin ich regelmässig ins Gym gegangen – habe aber leider keine grossen Fortschritte gesehen. Das hat mich frustriert und in der Folge dazu bewegt, meine geliebten Süssigkeiten vom Speiseplan zu streichen. Bald war dann auch die Idee zum radikalen Selbstversuch geboren.  

+

Worauf haben Sie konkret verzichtet, auf welche Zuckerarten explizit aber nicht? 

Vivienne Brühwiler: Ich habe auf alle zugesetzten Mono- und Disaccharide verzichtet. Früchte und Gemüse habe ich weiterhin gegessen, auch wenn sie durch den Fruchtzucker ebenfalls Einfachzucker enthalten. Ansonsten nahm ich Zucker nur in Form von Stärke und anderen Mehrfachzuckern zu mir. 
 

War für Sie die Zeitspanne des Experiments – «drei Monate» – von Anfang an klar oder hat sie sich einfach so ergeben?  

Vivienne Brühwiler: Anfangs wollte ich es nur so zwei Monate lang durchziehen, aber dann war ich so im Flow und merkte, wie gut mir der Verzicht tat, dass ich nochmals einen Monat angehängt habe. 
 

Wie haben Sie den Verzicht erlebt? Gab es verschiedene Phasen, während denen sich Körper und Psyche auf eine bestimmte Weise klar bemerkbar gemacht haben? 

Vivienne Brühwiler: Ich habe den Versuch sehr positiv erlebt: Tagsüber war ich durchgehend fitter, zudem wurde mein Hautbild reiner und ich verlor deutlich Körperfett. Auch meine Kondition hat sich mit der Zeit verbessert. Allerdings brauchten die ersten positiven Effekte ein wenig Geduld, in den ersten zwei Wochen machten sich noch keine grossen Verbesserungen bemerkbar.  

 

Was fiel Ihnen schwerer: Der Verzicht auf Süsses im Alltag oder das ständige Mitdenken, wo überall versteckter Zucker drinsteckt? 

Vivienne Brühwiler: Der Verzicht fiel am Anfang schwerer, aber nach einer Woche hatte sich meine neue Essgewohnheit bereits eingependelt. Besonders während der Periode war es schwierig, konsequent zu bleiben. Doch der Verzicht fiel mir nur dann wirklich schwer, wenn mir etwas Süsses angeboten wurde, etwa ein Stück Geburtstagskuchen. Selbst im Laden oder der Bäckerei nichts Süsses zu kaufen war zu keiner Zeit ein Problem für mich. 
 

Haben Sie auch Ausnahmen gemacht in dieser Zeit? Oder gab es «Ausweich»-Lebensmittel, die Ihnen geholfen haben bei Heisshunger? 

Vivienne Brühwiler: Nein, ich habe keine Ausnahmen gemacht. Bei Heisshunger habe ich einfach sehr viele Früchte gegessen – manchmal zu viele, da sich dann manchmal zu viele Nahrungsfasern in meinem Verdauungstrakt befanden... 
 
 

Eine beeindruckende Disziplin! Welche Strategien haben Ihnen geholfen, durchzuhalten? Hat Ihr Umfeld Sie unterstützt 

Vivienne Brühwiler: Konkrete Strategien hatte ich gar nicht, es war vor allem der starke Wille, es auch wirklich durchzuziehen. Ausserdem habe ich meinen Fitnesscoach über das Experiment informiert, was ein zusätzlicher Ansporn war, durchzuhalten – ich wollte ihn nicht enttäuschen. Mein Umfeld hat mich allgemein sehr unterstützt während diesen drei Monaten.  

  
Hat Sie ein bestimmtes Erlebnis zu Ihrem Empfinden in dieser Zeit überrascht? Hat sich z.B. Ihr Geschmacks- / Genusssinn verändert?  

Vivienne Brühwiler: Ja, aber nur minimal. Ich habe weniger Salz benutzt zum Würzen und die Speisen schmeckten mit der Zeit immer intensiver. Als ich wieder angefangen habeZucker zu essen, war es für mich anfangs übertrieben süss und hat mir gar nicht mehr geschmeckt. 

 

Interessant, warum haben Sie dennoch wieder mit dem Konsum zugesetzten Zuckers angefangen?  

Vivienne Brühwiler: Das hat einen pragmatischen Grund und der heisst «Prüfungsphase». Mein Kopf brauchte während der BMS-Abschluss-Prüfungen den ganzen Zucker einfach... 
 

Zum Schluss: Hat dieser Versuch Ihr Essverhalten oder Ihr Denken über Ernährung nachhaltig verändert? Würden Sie den Versuch anderen empfehlen? 
 
Vivienne Brühwiler: Nein, nachhaltig verändert nicht. Ich wusste schon vorher, dass raffinierter Zucker Gift für den Körper ist. Dennoch gönne ich mir ab und an wieder was Süsses. Denn wenn man auf alles verzichten würde, nur, weil es gesund ist, wäre das Leben ganz schön trostlos.  


Das Wichtigste in Kürze:

  • Alle Zuckerarten enthalten etwa gleich viel Energie und gleich wenig Nährstoffe. Die WHO empfiehlt, maximal 10 % des täglichen Energiebedarfs durch zugesetzten Zucker abzudecken. 

  • Seit rund zehn Jahren reduzieren verschiedene Schweizer Firmen ihren Zuckerzusatz erfolgreich – besonders bei Getränken.

  • Überkonsum von zugesetztem Zucker ist schnell erreicht: Ein Joghurt und ein Cerealien-Müesli sind bereits das Maximum pro Tag. Wer regelmässig eine höhere Menge konsumiert, riskiert Herz-Kreislauf-Probleme, Übergewicht und Typ-2-Diabetes.

  • Über 105 Nationen rund um den Globus haben eine sogenannte «Zuckersteuer» auf Süssgetränke eingeführt. 

  • Jüngst steht Nestlé in der Kritik: Im Cerelac-Säuglingsbrei setzt es Zucker zu, wenn dieser in afrikanischen Ländern vertrieben wird. Jedoch nicht, wenn der Brei in Europa verkauft wird. 


Für den vorliegenden Beitrag wurden folgende Quellen verwendet:


+

Wenig Zucker enthält Gemüse. Im Winter kommt es oft aus dem Treibhaus:

Gemüse unter Glas: Darum liegen Gewächshäuser im Trend
Familie Richter – Hauptartikel
13. 01. 2026
Folgende Fragen werden im Beitrag beantwortet: Worin unterscheiden sich Gewächshäuser, Treibhäuser und Folientunnel
Kommentare werden geladen

Bleib informiert

Mit dem Naturtalent-Newsletter bleibst du auf dem Laufenden. Freu dich auf interessante Inhalte zur Zürcher Landwirtschaft.

Suchen Sie hier ...

Resultate werden geladen