Folgende Fragen werden im Beitrag beantwortet:
- Welcher Anteil des in der Schweiz produzierten Gemüses kommt aus einem Treibhaus?
- Was «leisten» Treibhäuser und wieso liegen sie im Trend?
- Sind Freiland-Tomaten oder Gewächshaus-Tomaten nachhaltiger?
- Welche klimafreundlichen Energie-Systeme nutzen moderne Gewächshäuser?
- Welche Schritte sind bis zur Baubewilligung eines Gewächshauses nötig?
- Schmecken Tomaten vom Freiland wirklich besser?
Warum Gewächshäuser immer mehr «ein Ding» werden
Ein wesentlicher Teil unseres frischen Gemüses in der Schweiz kommt heute aus Gewächshäusern – vor allem solche Kulturen, die konstante Wärme und geschützte Bedingungen bevorzugen wie Tomaten, Gurken, Peperoni, Erdbeeren, Salate oder Kräuter. Grundsätzlich sind alle gängigen Gemüsekulturen machbar, Grenzen setzen Wärmebedarf und Kosten bei tropischen Früchten wie etwa Bananen.
Statistik der Woche
Hast du gewusst, dass...?
Kleine Fläche – grosser Ertrag
Was sind die Vorteile des Gemüseanbaus im Gewächshaus? Ein erster, klarer Vorteil dürfte auf der Hand liegen: Der Gewächshausanbau verlängert die Vegetationszeit und ermöglicht so eine ganzjährige Produktion. Auch das Risiko von Ernteausfällen sinkt, da die Pflanzen vor widriger Witterung geschützt sind.
Beliebt, solange sie sich nicht vor der eigenen Nase befinden
Gleichzeitig steht der Gewächshausanbau aber auch in der gesellschaftlichen Kritik, denn die Anlagen benötigen viel Energie. Auch die Investitions- und Produktionskosten sind im Vergleich zum Freilandanbau meist deutlich höher. Nicht zuletzt spielt beim Bau eines neuen Gewächshauses der öffentliche Diskurs eine entscheidende Rolle, besonders in Bezug auf das Landschaftsbild.
«Ökologische Fussabdruck» – Freiland vs. Gewächshaus
Um dem wachsenden Bedürfnis nach lokal und nachhaltig produziertem Gemüse – auch im Winter – nachzukommen, setzen immer mehr Betreibende von Gewächshäusern auf energieeffiziente und klimafreundliche Systeme. Ausserdem steigt der Anteil an Bio-Gemüse – sowohl auf dem Freiland als auch im Gewächshaus.
Video der Woche
Bis im Jahr 2040 sollen Gewächshäuser in der Schweiz komplett ohne fossile Energieträger betrieben werden – dies ist das Branchenziel des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten.
Spezielle Förderprogramme wie jenes der Stiftung «myclimate» unterstützen die Entwicklung von erneuerbaren Gewächshäusern in der Schweiz. Sie helfen etwa dabei, klimaschädliche Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl oder Propangas durch klimafreundliche Alternativen zu ersetzen: Wärmepumpen, Holzfeuerungen, Pyrolyseheizungen oder den Anschluss an Wärmeverbünde.
Freiland vs. Gewächshaus – der Geschmacksvergleich
Ein gängiges Vorurteil besagt, dass Freiland-Gemüse besser schmeckt als Gemüse aus dem Gewächshaus, weil Licht, Temperatur und Boden draussen anders wirken. Doch stimmt das wirklich? Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 1997 hat Tomaten aus Dünnschicht- und Bodenkultur im Gewächshaus und auf dem Freiland miteinander verglichen und kaum sensorische Unterschiede festgestellt. «Wie schon in früheren Versuchen konnten von den Degustatoren (sic!) nur in Ausnahmefällen Unterschiede der Kultursysteme erkannt werden», so die Studie.
Der Landwirtschaftliche Informationsdienst der Schweiz ging 2009 sogar noch weiter, und schrieb, dass selbst zwischen Hors-Sol-Tomaten* und solchen aus dem Freiland oder dem Gewächshaus qualitativ und geschmacklich kaum Unterschiede bestehen würden.
Klar ist: Der Geschmack eines Gemüses hängt von vielen Faktoren ab, und nicht allein davon, ob eine Pflanze drinnen oder draussen wächst. Es gibt bei Gemüse auch keine Deklarationspflicht, die explizit ausweist, ob ein Gemüse unter Glas oder im Freiland gewachsen ist – im Unterschied etwa zu Eiern, bei denen klar angegeben werden muss, ob es sich um Eier aus Freiland- oder Bodenhaltung handelt.
Interview der Woche
«Regionale Produktion führt zu vermehrtem Bedarf an Gewächshäusern»
Urs Kilchenmann vom Amt für Landwirtschaft des Kantons Solothurn und Christof Gubler vom Strickhof beschäftigen sich beruflich jeden Tag mit den Themen Boden, Pflanzen und Anbau. Im Interview erklären sie, welche Voraussetzungen für den Bau eines Treibhauses erfüllt sein müssen – und welche Aspekte dabei in Zukunft vermehrt an Bedeutung gewinnen.
Was braucht es jeweils für eine Baubewilligung von Treibhäusern – welche Bedingungen müssen erfüllt sein, gibt es gesetzliche Grundlagen?
Kilchenmann: Gewächshäuser ab 50 Are – das sind 5000 m2 oder ein halber Hektar – können nur in einer speziellen Landwirtschaftszone gebaut werden, wie Art. 16a Abs. 3 des Raumplanungsgesetzes vorschreibt. Zuerst muss also stets die Gemeinde des Baus in einer bestimmten Zone zustimmen. In diesem Planungsverfahren können auch Rahmenbedingungen definiert werden, wie etwa die gestalterische Integration ins Landschaftsbild, die Energieversorgung oder die Anbindung an Infrastruktur. Kantonale Vorgaben, die etwa im Richtplan definiert sind, müssen beim Planungsverfahren ebenso berücksichtigt werden.
Das Wichtigste in Kürze:
- Sieben Prozent des inländisch produzierten Gemüses stammt aus Gewächshäusern.
- Immer mehr Menschen legen Wert auf nachhaltig produzierte Lebensmittel aus der Region, doch möchten ganzjährig die ganze Palette an Auswahl.
- Die Top-Gewächshaus-Kultur in der Schweiz ist die Tomate, gefolgt von Salaten, Kräutern und Gurken.
- Die Erträge von Gewächshaus-Gemüse sind grösser als jene von Freiland-Gemüse, da die Kulturen vor Witterungen geschützt sind und die Wasser-, Nährstoff- und Energie-Anforderung ganzjährig gezielt gesteuert werden können.
- Bis 2040 sollen Gewächshäuser in der Schweiz komplett ohne fossile Energieträger betrieben werden. Klimafreundliche Systeme sind der neue Standard.
- Der Geschmack eines Gemüses hängt von vielen Faktoren ab und nicht allein davon, ob eine Pflanze draussen oder drinnen wächst.