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Diese Woche: Schweizer Wein

Hat Schweizer Wein den Platz gefunden, den er verdient?

Diese Woche diskutiert die Familie zum Thema Schweizer Wein

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Weinbau in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren stark professionalisiert und sich auch qualitätstechnisch gesteigert
  • Die bekanntesten Traubensorten in der Schweiz sind Chasselas und Pinot Noir: Wobei die Sorte Pinot Noir als Königin der Trauben bezeichnet wird und international zur Weltklasse zählt.
  • Der Weinkonsum der Schweizer/Innen pro Kopf ist rückläufig: Der Gesamtkonsum konnte dank der Bevölkerungszunahme dennoch stabil bleiben.
  • Nur gerade 1% des Schweizer Weins wird exportiert: Der Rest wird im Inland konsumiert. 
  • Über die Jahre ging Anbaufläche verloren: Was die Weinproduktion in der Schweiz schrumpfen lässt.
  • In der Schweiz werden intensiv an pilzresistenten Sorten geforscht und schon einige werden angebaut: Eine Markteinführung einer neuen Sorte macht jedoch erst Sinn, wenn der Wein den Geschmack der Konsumenten trifft.  

Der Weinbau in der Schweiz hat eine lange Geschichte, die weit zurückreicht. Bereits vor über 8.000 Jahren begannen Menschen im heutigen Georgien, wilde Reben zu kultivieren und die Kunst der Weinherstellung zu entwickeln. Im Mittelalter wurde der Weinbau durch Klöster und Adelige weiterentwickelt und verfeinert, was zur Entstehung zahlreicher lokaler Rebsorten und Weinstile führte, die bis heute gepflegt werden. Im 19. Jahrhundert brachte die Reblausplage erhebliche Verluste mit sich, doch die Schweizer Winzer konnten die Branche durch Veredelung der reblaus-resistenten amerikanischen Unterrebe und die Einführung moderner Anbaumethoden stabilisieren.

Schweizer Wein: Ein Genuss für die Einheimischen

Heute hat sich der Weinbau stark professionalisiert: Wo früher Bauern nebenbei verschiedene Traubensorten auf kleinen Parzellen anbauten und diese zu einem Cuvée verarbeiteten, setzen heute spezialisierte Betriebe gezielt auf einzelne Sorten wie Pinot Noir. Gleichzeitig verschwinden viele Kleinproduzenten, da sich der Aufwand auf wenigen Aren kaum noch lohnt mit jeder Generation geht so wertvolle Anbaufläche verloren, was die Schweizer Weinproduktion insgesamt schrumpfen lässt.

Die Vielfalt der Rebsorten in der Schweiz ist beeindruckend. Die bekannteste weisse Sorte ist Chasselas, die in fast allen Regionen angebaut wird und leichte, frische Weine hervorbringt, die perfekt zu Schweizer Spezialitäten passen. Bei den Rotweinen dominiert in der Schweiz die Traubensorte Pinot Noir, oft als «Königin der Trauben» bezeichnet mit Spitzenqualität, die international zur Weltklasse zählt.

Eine homogene Weinlandschaft

Generell ist die «Weinlandschaft Schweiz» in den letzten Jahrzehnten homogener geworden. Die Unterschiede zwischen der Deutschschweiz, Neuenburg, Genf und dem Wallis sind nicht mehr so ausgeprägt wie vor 40 oder 50 Jahren. Viele Kellereien beginnen, neue Weintypen anzubieten, die insbesondere bei jungen Leuten beliebt sind – wie beispielsweise «Orange Wine», Naturweine oder Bioweine. Hier könnte sich für die Winzerinnen und Winzer ein grosses Wachstumspotenzial eröffnen. Trotzdem bleibt der Pro-Kopf Konsum von Wein in der Schweiz insgesamt rückläufig. Der gesamte Konsum blieb bis jetzt dank der Bevölkerungszunahme, dennoch stabil. Ein neuer Wein braucht viele Jahre, um sich im Markt zu etablieren, wie es bei Sorten wie Pinot Noir, Räuschling oder Riesling-Sylvaner der Fall war. Ein einfaches Umsteigen auf neue Trends ist nicht möglich, da die Rebe eine Dauerkultur ist, welche zwischen 30 und 40 Jahren besteht. 

Entwicklung Richtung pilzresistente Sorten (PIWI)

Es wird jedoch intensiv an zukunftsweisenden PIWI- (pilzwiderständigen) Sorten geforscht. Eine Markteinführung einer neuen Sorte macht jedoch erst Sinn, wenn der Wein, den Geschmack der Konsumenten trifft. Ist der Wein nicht «trinkbar» wird die PIWI-Sorte als schlecht abgestempelt, ein Todesurteil am Markt, bevor das wahre Potential erkannt und ausgeschöpft wurde. 

Wer bereits voll auf PIWI-Sorten setzt ist Andri Strasser aus Oberstammheim. Der Biowinzer setzt konsequent auf sogenannte PIWI-Sorten, die deutlich weniger Pflanzenschutz benötigen. Ein echter Gewinn für Umwelt und Natur.

«Durchschnittlich braucht es rund 15 Spritzfahrten pro Jahr», erklärt Strasser. «Mit PIWI-Sorten kann ich diese Zahl um zwei bis sechs reduzieren.» Das bedeutet weniger Belastung für Boden und Ökosystem sowie ein Schritt hin zu einem Weinbau, der im Einklang mit der Natur steht. Genau das ist dem engagierten Bioproduzenten ein zentrales Anliegen: nachhaltige Traubenproduktion mit Rücksicht auf Umwelt und Ressourcen.

Diese Weine bevorzugen die Schweizerinnen und Schweizer

Leicht, frisch, authentisch, so mögen es die Weinliebhaber von heute. Während früher kraftvolle Tropfen mit hohem Alkoholgehalt dominierten, schlägt das Pendel mittlerweile in eine andere Richtung aus. Der Trend geht klar zu filigraneren, eleganten Weinen mit moderater Stärke, das bestätigt auch Beat Kamm, Präsident des Branchenverbands Zürcher Wein. «Weine mit 11.5 oder 12 Volumenprozent Alkohol kommen heute sehr gut an», beobachtet er, als selbst aktiver Weinproduzent auf dem Weingut Schloss Teufen.

Für ihn zählt etwas anderes: «Viel entscheidender als das ‚Wie‘ ist das ‚Woher‘ – und vor allem: von wem. » Herkunft und Persönlichkeit des Winzers seien das wahre Qualitätsversprechen, nicht Labels oder Zertifikate.

Diesen Ansatz teilt auch der Weinhändler Rutishauser-DiVino. «Immer mehr Kundinnen und Kunden lassen sich beim Kauf von der Geschichte rund um den Wein inspirieren», sagt die Leiterin Marketing & Verkauf im Gespräch. Was zählt, ist der Mensch hinter dem Produkt, die Handschrift des Terroirs und die Erzählung, die der Wein transportiert.

Und wie sieht es mit Weinliebhabern ennet der Grenze aus?

Gerade einmal ein Prozent des in der Schweiz produzierten Weins wird ins Ausland exportiert, was auf das teure Kostenumfeld der Schweiz und das geringe Produktionsvolumen zurückzuführen ist.

Im Ausland wissen die meisten Menschen offenbar nicht, dass in der Schweiz Wein produziert wird. Das Image ist also nicht schlecht, es ist einfach nicht vorhanden. Mit anderen Worten: Die Schweiz ist nicht als Weinland bekannt, sondern vielmehr für Käse, Schokolade und Uhren.

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