Das Wichtigste in Kürze
- Der erste Schweizer Traktor: Wurde 1929 von Hans Hürlimann auf den Markt gebracht
- Im internationalen Vergleich ist das PS-Segment eher bescheiden: Rund die Hälfte aller neu zugelassenen Traktoren bewegt sich im Bereich von 61 bis 120 PS.
- Traktoren sind häufig 10 Tsd. Bis 15 Tsd. Stunden im Einsatz: Und ein Drittel der Traktoren im Einsatz stammt aus den 1980er- und 1990er- Jahren.
- Die Anzahl Traktoren pro Betrieb nimmt zu: Jedoch nimmt die Anzahl Betriebe generell ab.
- Traktoren werden auch nebst der Landwirtschaft eingesetzt: Zum Beispiel für Kommunal- und Forstarbeiten sowie auch dem Bau.
Traktoren sind nicht nur bei Jungs als Spielzeug beliebt, sie dienen den Schweizer Bauern bei ihrer täglichen Arbeit als unersetzliche Zugpferde und Alleskönner. Doch so ein Traktor ist ein nicht zu unterschätzender finanzieller Faktor, denn die Maschinenkosten üben Druck auf das Portemonnaie unserer Landwirte aus.
Die heutige Form des Traktors haben wir Harry Ferguson zu verdanken, der 1916 den Motorblock integrierte. Der Erfinder entwickelte einen Mechanismus, der die Kraft vom Traktor an die angekoppelten Maschinen überleitete. Auch in der Schweiz gab es Entwicklungen, das Pferd oder den Ochsen als Zugtier abzulösen. So gründete 1929 Hans Hürlimann in Wil im Kanton St. Gallen das Hürlimann-Unternehmen und brachte den ersten Hürlimann-Traktor auf den Markt: ein Traktor mit einem 1- Zylinder-Benzin-Motor und Mähmaschine mit über 400 hergestellten Exemplaren. Als der Treibstoffmangel als Folge des Zweiten Weltkriegs auch die Schweiz erreichte, passte Hürlimann seine Produktion an: Modifizierte Dieseltraktoren wurden fortan mit Holzgas betrieben. Erst in den Jahren nach 1945 erlebten in Europa die Traktoren einen regelrechten Boom.
Grün ist Trumpf
Mittlerweile erhalten bereits 14-Jährige nach bestandener Prüfung den Führerschein der Kategorie “G”, der das Führen von Traktoren mit einer Maximalgeschwindigkeit bis 30 km/h erlaubt. Zurzeit sind etwas über 146000 landwirtschaftliche Traktoren in der Schweiz registriert, Tendenz leicht steigend. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 1990 bloss 120’000 Traktoren. Neben der Landwirtschaft werden Traktoren in der Schweiz häufig für Kommunalarbeiten eingesetzt. Auch in der Forstwirtschaft dienen sie zum Holzrücken und Wegunterhalt. Zudem finden sie Verwendung im Baugewerbe für Transportarbeiten. Auf der “Hitparade” der Traktoren, den am meisten gekauften Fahrzeugen, liegen die Hürlimann-Modelle auf Platz 10. Führend sind “Fendt”, “John Deere” und “Deutz-Fahr”. Bei den Farben dominiert quer über alle Marken hinweg das Grün. Der grösste Teil, nämlich rund die Hälfte aller neu zugelassenen Traktoren, bewegt sich seit Jahren im Bereich von 61 bis 120 PS: Im internationalen Vergleich ist dieses PS-Segment also eher bescheiden.
Der Traktor und seine Sonderstellung (im Motorfahrzeuggesetz)
Wenn wir nun die Finanzlage vieler Landwirtschaftsbetriebe anschauen, nehmen die Maschinenkosten im Verhältnis zu den Gesamtausgaben einen vorderen, wenn nicht den ersten Platz ein. Dass Investitionen in Landmaschinen wohlüberlegt sein müssen, zeigt auch die enorme Langlebigkeit vieler Traktoren: Traktoren sind häufig 10`000-15`000h im Einsatz, zum Teil auch über 20`000h. Dies entspricht im Vergleich zum Auto einer Fahrleistung von 200’000 bis 1’000’000 Kilometern (bei der Annahme, dass das Auto 50km/h fährt). Über die Hälfte der in der Schweiz registrierten Traktoren ist älter als 25 Jahre, ein Drittel stammt sogar aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Maschinengemeinschaften, Maschinenringen oder die Auslagerung gewisser Arbeiten an Lohnunternehmen können zur Kostensenkung beitragen. Schon zur Zeit der Vereinigung der schweizerischen Traktorenbesitzer (später Verband Landtechnik Schweiz) vor bald hundert Jahren erzielten deren Akteure einige Erfolge: Senkung der anfänglich hohen Verkehrssteuern für Traktoren und eine Sonderstellung für Traktoren im Motorfahrzeuggesetz. Dieser Umstand erleichterte den Betrieben die Einführung von Traktoren auf ihrem Betrieb und trug massgeblich mit zum heutigen Wohlstand der Schweiz bei. Letztes Jahr ehrte die Schweizerische Post darum das hundertjährige Jubiläum des Verbands Landtechnik Schweiz mit einer Sonderbriefmarke.
Im Vergleich zum Auto würde die Einsatzzeit eines Traktors 200’000 - 1’000’000 Autokilometern entsprechen.
Trend zu Komfort, Wunschdenken Automatisation
Generell werden die Traktoren moderner und sind heute mit zahlreichen digitalen Techniken versehen. Komfortable, klimatisierte und leise Kabinen mit akzeptablem Beifahrersitz gehören heute fast zum Standard. Ferner kommen Spurführungssysteme und weiteres hinzu. Während die Betriebszahl in der Schweiz kontinuierlich abnimmt, steigt die Zahl der Traktoren pro Betrieb, woraus sich ein jährlicher Anstieg der gemeldeten landwirtschaftlichen Traktoren von 0.4 Prozent ergibt. Wobei 2/3 der Traktoren auf dem Feld und 1/3 auf dem Hof im Einsatz sind. Auf dem Hof sind die Traktoren häufig in Form von Kleintraktoren im Einsatz. Effektiv bedeutet dies ein Traktor pro 10.5 ha bewirtschaftete Fläche. Ob eine Hightech-Ausstattung in jedem Fall Sinn macht, darf man sicher hinterfragen. Dennoch können digitale Systeme eine präzise und ressourcenschonende Bewirtschaftung ermöglichen und damit steigenden Anforderungen gerecht werden. Auch ist die Automatisierung in Kombination mit der Digitalisierung der Traktoren für die einen ein Wunschtraum, für die anderen jedoch ein organisatorischer und administrativer Albtraum, ganz zu schweigen von den hohen Preisen für Modelle mit alternativen Antrieben – notabene (noch) ohne staatliche Förderung.
Kleiner Tipp: Im Traktorenmuseum Rehetobel gibt es übrigens nicht nur jede Menge Oldtimer Traktoren zu bestaunen, sondern auch eine charmante Kurbelwellenbeiz!