Familie Richter
Diese Woche: Traktoren

Traktoren im Einsatz - Wandel, Technik und Trends

Im Interview von dieser Woche haben wir Dr. Roman Engeler vom Verband Landtechnik Schweiz getroffen.
Traktoren sind aus der Schweizer Landwirtschaft nicht wegzudenken, doch wie hat sich der Markt in den letzten Jahren entwickelt, und welche Rolle spielen dabei die grossen Importeure? Wir haben bei Dr. Roman Engeler nachgefragt.Als Direktor Landtechnik Schweiz sowie Chefredaktor und Verlagsleiter der Zeitschrift «Landtechnik Schweiz» gibt er spannende Einblicke in aktuelle Trends, Herausforderungen und einen Ausblick auf die Zukunft der Landtechnik.

Ich stelle fest, dass die Traktoren in der Schweiz entweder grün oder rot sind. Welches sind die drei Schweizer Marktleader und wie gross ist der Marktanteil? 

Es gibt selbstverständlich noch weitere Farben wie blau, grau, orange oder gelb. Schaut man aber auf die Zulassungszahlen, so dominiert auf den ersten drei Plätzen die grüne Farbe, jedoch in verschiedenen Varianten. Diese Statistik führte 2024 Fendt mit 23% vor John Deere mit17% und Deutz-Fahr mit 12% Marktanteilen an.

Die Bevölkerung ist der Meinung, dass die Traktoren der Schweizer Landwirte immer grösser werden. Stimmt dieser Eindruck? 

Wenn man genau hinschaut, stimmt dieser Eindruck nur bedingt. Es versteht von selbst, dass die Traktoren in den vergangenen 100 Jahren grösser und vor allem stärker geworden. Es gibt heute sicher grosse, sogar sehr grosse Traktoren, die bei uns aber nur sehr vereinzelt verkauft werden. Der überaus grosse Teil, nämlich rund die Hälfte aller neu zugelassenen Traktoren bewegt sich seit Jahren im Bereich von 61 bis 120 PS: Im internationalen Vergleich ist dieses PS-Segment doch eher bescheiden. Darüber, also ab 120 PS, gibt es eine, allerdings nur schwache Zunahme.

Was hat sich im Traktorenmarkt in den letzten Jahren stark gewandelt?

Stark gewandelt hat sich die Ausstattung der Traktoren. Diese wurden nämlich moderner, sind heute mitunter mit digitalen Techniken versehen. Die Traktoren wurden aber auch komfortabler. Eine leise, klimatisierte Kabine mit akzeptablen Beifahrersitz gehört heute fast zum Standard. Dazu kommen Spurführungssysteme und weiteres mehr. Bezüglich Ausstattung nimmt die Schweiz dann im internationalen Vergleich einen vorderen Platz ein.

Es gibt Berichte, die davon ausgehen, dass pro Betrieb knapp 3 Traktoren zur Verfügung stehen – ist das Luxus oder macht das Sinn?

Letztlich muss diese Frage jeder Betriebsleiter für sich selbst beantworten. Er wird sich überlegen, gebe ich beim Ersatz eines Traktors den alten an Zahlung oder ist der offerierte Eintauschpreis zu gering. Es macht sicher da und dort Sinn, einfachere Arbeiten mit einem älteren, weniger gut ausgestatteten Traktor und mit vielleicht etwas weniger PS auszuführen.

Stellen Sie einen direkten Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Traktorenmarkts und dem Strukturwandel in der Landwirtschaft fest? 

Der Strukturwandel hat einen Einfluss auf die Entwicklung des Traktorenmarkts. Die Betriebszahl nimmt ab, auch die Verkäufe der Traktoren nimmt im Zuge desen ab. Dafür steigt, wie Sie vorhin bemerkt haben, die Zahl der Traktoren auf den Betrieben.

Welche Rolle spielt die Schweiz im internationalen Traktorenmarkt?

In Sachen Absatzzahlen ist die Schweiz eine kleine Nummer. Was die Produktion von Traktoren in unserem Land betrifft, so gibt es in der Schweiz nur noch wenige, dafür aber sehr innovative Hersteller. Betrachtet man aber den Markt oder die Vetriebskette als gesamtes, so wird der Schweiz von verschiedenen Herstellern immer wieder attestiert, dass es ein sehr anspruchsvoller Markt sei. Die Bauern wollen Qualität bei der Technik selbst und beim sogenannten After-Sales-Service haben. Hinzu kommt der im Vergleich zu anderen Ländern hohe Ausstattungsgrad der Traktoren. 

Denken wir da an GPS, Sensorik oder Automatisierung: Ist das heute Standard?

Wie bereits vorhin erwähnt, werden die Traktoren moderner und digitaler. Es gibt auch einen Trend in Richtung Automatisierung oder Autonomisierung. Diesbezüglich stehen wir aber erst noch am Anfang, insbesondere ist die Gesetzgebung noch nicht ganz so weit. Der technologische Fortschritt fliesst jedoch unvermindert in die Maschinen ein. Viele Innovationen werden im Verlaufe der Zeit zum Standard, auch deshalb, weil viele dieser Innovationen vom Skaleneffekt profizieren und deshalb erschwinglicher werden. Ob die Hightech-Ausstattung aber in jedem Fall Sinn macht, darf man sicher hinterfragen.

Diese neue Technik hat seinen Preis. Sind die Schweizer Traktoren tatsächlich bezahlt oder gibt es alternative Finanzierungsmodelle? 

Über konkrete Zahlen, wie viele der verkauften Traktoren «gleich bezahlt» werden, oder ob es um ein Leasing- oder um ein anderes Finanzierungsmodell. beispielsweise Bankkredit oder Darlehen einer landwirtschaftlichen Kreditkasse handelt, verfüge ich nicht. 

Welche Trends sehen Sie aktuell im Traktorenbereich – und wohin könnte die Reise gehen?

Betrachten wir es einmal international, so denke ich, dass wir beim Standard-Traktor hinsichtlich der Leistung bei um die 500 PS an der oberen Grenze angekommen sind. Solche Leistungen müssen letztlich ja auch noch auf den Boden gebracht werden können, was wiederum nach entsprechendem Gewicht verlangt. Und diesbezüglich möchte man den Boden ja nicht zu sehr belasten. Der Trend in Richtung Autonomisierung könnte dazu beitragen, dass die Traktoren wieder leichter werden. Nachhaltigkeit hat bei der Traktorenentwicklung in den letzten Jahren sicher einen höheren Stellenwert bekommen. Es gibt, allesdings erste wenige, Modelle mit Elektro-, (Bio-)Gas- oder Wasserstoff-Antrieb. Die Akzeptanz bei Landwirten dafür ist punktuell sicher vorhanden, leider sind die Preise für solche Modelle mit alternativen Antrieben noch viel zu hoch. Ohne (staatliche) Förderung kommt man da nicht so schnell vorwärts. Kommt hinzu, dass der Treibstoff Diesel hinsichtlich seiner Energiedichte halt schon fast unschlagbar ist.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Traktorenmarkts in der Schweiz – und für die Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen und Bauern?

Die Finanzlage vieler Landwirtschaftsbetriebe ist angespannt, die Maschinenkosten nehmen im Ausgabengefüge meist einen vorderen, wenn nicht den ersten Platz ein. Umso wichtiger ist es, Anschaffungungen genau zu evaluieren. Weiter sollte man die überbetriebliche Zusammenarbeit, sei es mit Maschinengemeinschaften oder Maschinenringen, fördern. Auch die Auslagerung gewisser Arbeiten an Lohnunternehmen kann zur Kostensenkung beitragen.

Hand aufs Herz: Wenn Sie sich für nur eine Traktorenmarke entscheiden müssten – welche wäre das?

Das bleibt mein Geheimnis!

Dr. Roman Engeler, Direktor Landtechnik Schweiz und Chefredaktor und Vertragsleiter der Zeitschrift “Landtechnik Schweiz” über die Entwicklung der Schweizer Landtechnik.
Dr. Roman Engeler, Direktor Landtechnik Schweiz und Chefredaktor und Vertragsleiter der Zeitschrift “Landtechnik Schweiz” über die Entwicklung der Schweizer Landtechnik.

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Das Wichtigste in KürzeDer erste Schweizer Traktor: Wurde 1929 von Hans Hürlimann auf den Markt gebrachtIm internationalen Vergleich ist das PS-Segment eher bescheiden: Rund die Hälfte aller neu zugelassenen Traktoren bewegt sich im Bereich von 61 bis 120 PS.Traktoren sind häufig 10 Tsd. Bis 15 Tsd. Stunden im Einsatz: Und ein Drittel der Traktoren im Einsatz stammt aus den 1980er- und 1990er- Jahren.Die Anzahl Traktoren pro Betrieb nimmt zu: Jedoch nimmt die Anzahl Betriebe generell ab.Trak
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