Familie Richter – Hauptartikel
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Sauberes Trinkwasser – (k)eine Selbstverständlichkeit?

Wieso ist Schweizer Trinkwasser so rein? Dieser Frage geht die Familie Richter diese Woche – wortwörtlich – auf den Grund.
Auch (vermeintliche) Selbstverständlichkeiten wie Trinkwasser...
...dürfen ab und zu...
...hinterfragt werden.

Was ivielen Ländern Wunschdenken ist, gilt in der Schweiz als Selbstverständlichkeit: In jedem Haushalt und jedem öffentlichen Gebäude liefern Wasserhähne jederzeit einwandfreies, schmackhaftes Trinkwasser. Wie ist das möglich? 

In diesem Multimedia-Beitrag gehen wir dem Mysterium auf den Grund: Woher kommt unser Trinkwasser, wie erreicht es seine hohe Qualität und wie schneidet «normales Leitungswasser» im Vergleich zu Schweizer Mineralwasser ab? Und ist an der Metapher, die Schweiz sei das «Wasserschloss Europas» tatsächlich was dran?

Eine Reise in die Tiefe 

Insgesamt besteht Schweizer Trinkwasser zu rund 80 Prozent aus Grund- und Quellwasser und nur zu etwa einem Fünftel aus aufbereitetem Seewasser. Doch in Zürich ist das Verhältnis von Grund- und Seewasser, aus dem sich das Leitungswasser zusammensetzt, genau umgekehrt 

Im Video begeben wir uns an den tiefsten Ort der Stadt Zürich, zur Ringleitung deWasserversorgung Zürich (WVZ), dank der die ganze Stadt sowie 67 umliegende Zürcher Gemeinden rund um die Uhr mit frischem Trinkwasser aus dem Hahn versorgt werden. Die Ringleitung liegt 120 Meter unter der Erde. Der Grossteil des darin enthaltenen Trinkwassers – etwa 85 Prozent – stammt aus dem Zürichsee oder ist Quellwasser aus der RegionBevor See- und Quellwasser in die Ringleitung gelangen, werden sie über fünf Filterstufen gereinigt und aufbereitet. 

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Und die restlichen 15 Prozent Wasser in der Ringleitung stammen aus einem riesigen Grundwasserstrom sechs Meter unter dem Boden, der das Limmattal sehr langsam durchfliesst. Gespeist wird dieser Strom von der Limmat und der Sihl, aber auch vom Regenwasser, das in unversiegelten Flächen versickert.  

Bereits beim Durchfliessen des Bodens findet eine natürliche Filterung statt. Täglich pumpen drei riesige Brunnen zehntausende Liter Wasser aus diesem Grundstrom an die Oberfläche. Im Video zeigt uns Hans Gonella vom WVZ die vielen Pumpen, Leitungen und Reservoirs, die das See-, Quell- und Grundwasser in die Ringleitung und von dort in das städtische Verteilsystem befördern:   

Video der Woche

Wie erreicht Trinkwasser seine hohe Qualität?


Die spezialisierten Mitarbeitenden der Wasserversorgung Stadt Zürich führen regelmässig strenge Trinkwasserkontrollen durch. Dabei analysieren sie mit modernsten Messgeräten in den Labors im Hardhof relevante Parameter der Wasserqualität. Auch elektronische Sonden an kritischen Punkten messen fortlaufend verschiedene wichtige Qualitäts-Parameter. Über- oder Unterschreitungen von Grenzwerten lösen automatisch einen Alarm aus, und die Mitarbeitenden treffen Sofortmassnahmen.  

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Eine der führenden Forschungsinstitutionen in der Schweiz für Wasserforschung, Umweltschutz und nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen ist die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) in Dübendorf ZH. Sie gehört zur Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Die EAWAG untersucht und kontrolliert die Trinkwasserqualität in der ganzen Schweiz: 
 

Sie analysiert Wasserproben auf Mikroorganismen, Schadstoffe wie Pestizide oder Medikamentenrückstände und Chemikalien, entwickelt neue Methoden zur Wasseraufbereitung, Früherkennung von Keimen und Schadstoffen und untersucht Risiken für Gesundheit und Umwelt. Mit ihrem wissenschaftlich fundierten Wissen unterstützt das Wasserforschungsinstitut des Bundes auch verschiedene Schweizer Behörden und Wasserversorger beratend. 

Trinkwasserqualität ist rund um den Globus unterschiedlich: Besonders hoch in Europa und Nordamerika, extrem tief in vielen Ländern Afrikas. / Quelle: traveltomorrow.com

Warum wir in der Schweiz auf ewig sauberes Trinkwasser haben 

Der Hydrologe und Geograf Andri Bryner beschäftigt sich schon sein ganzes Leben lang wissenschaftlich mit dem Thema Wasser und ist seit 2004 Medienverantwortlicher am Wasserforschungsinstitut EAWAG. Im Podcast erklärt er im Detail, wie das EAWAG Trinkwasserkontrollen durchführt, welche Stoffe genau untersucht werden und was bei Grenzwert-Überschreitungen geschieht. 


Die gängige Metapher, die Schweiz sei das Wasserschloss Europas, hat laut Bryner definitiv ihre Berechtigung: «Mit unseren Bergen sowie durch unsere geografisch-topografischen Lage befinden wir uns nicht nur zuoberst, sondern auch mitten in Europa. Es ist auch kein Zufall, dass mehrere grosse Flüsse wie der Rhein, der Inn oder die Rhone in der Schweiz ihren Ursprung haben.»  

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Die Schweiz habe und bekomme ständig neues Wasser – auch durch die häufigen Niederschläge. Doch die Menge allein sage noch wenig über die Qualität des Wassers aus: Durch die immer dichtere Nutzung unserer Landschaften – Siedlungen, Verkehr, Industrie- und Gewerbegebiete – stehe diese gesamthaft betrachtet zunehmend auf dem Prüfstand, erwähnt Bryner einerseits. 

Andererseits gebe es Gemeinden«deren Leitungswasser ausschliesslich aus Grundwasser bestehtdas nicht einmal aufbereitet werden muss, sondern direkt ins Leitungsnetz gespeist werden kann – so gut ist der Grundwasserfilter des Bodens», so der Hydrologe. Ob man auch einfach mit einem Ruderboot auf den Zürichsee fahren, eine Flasche mit Seewasser füllen und dieses Wasser bedenkenlos trinken könnte, beantwortet Andri Bryner im Podcast 

Zudem 
erläutert der Wasserexperte den Zustand des Schweizer Grundwassers in Bezug auf die vier 
PFAS-Substanzen PFOS, PFOA, PFHxS und PFNA, die hierzulande bereits in heiklen Konzentrationen nachgewiesen wurden, erklärt, weshalb die Mitarbeitenden des EAWAG das ultra-kurzkettige PFAS «TFA» (Trifluoressigsäure) im Grundwasser besonders aufmerksam beobachten. 

Podcast-Folge der Woche

Hahnen- und Mineralwasser im Öko-Vergleich 

Und wie sieht die PFAS-Belastung bei Schweizer Mineralwasser aus? «In einzelnen Mineralwässern sind in der Vergangenheit geringste Spuren nachgewiesen worden», sagt David Arnold vom Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS) im Interview. Die Spuren seien unschön, doch aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich, da sie weit unter den geltenden Höchstwerten liegen würden. Und dies, obwohl Schweizer Mineralwasser «am Quellort unbehandelt in verschliessbare Behältnisse abgefüllt werden muss, damit seine ursprünglichen Eigenschaften erhalten bleiben.» 

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Jedes Mineralwasser habe eine typische Mineralisierung, enthalte also ganz bestimmte Mineralien und Spurenelemente, da es jahrelang bestimmte Gesteine durchfliesse, erklärt Arnold den Unterschied zwischen Mineral- von Leitungswasser. Wie die Mitarbeitenden bei der EAWAG oder der Wasserversorgung der Stadt Zürich, müssen sich auch Produzenten von Schweizer Mineralwasser an strenge Vorschriften und Grenzwerte halten, und analysieren deshalb regelmässig Wasserproben im Labor.  

Im Auftrag des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches SVGW haben die Forschenden Niel Jungbluth und Alex König 2014 die Ökobilanzen von Mineral- und Leitungswasser sowie auch von anderen Getränken in der Schweiz verglichen – und stellten fest: «Hahnenwasser ist [...] das umweltfreundlichste Lebensmittel [...]. Beim ungekühlten, stillen Wasser verursacht Mineralwasser mehr als 450-mal mehr Umweltbelastung als Trinkwasser.»  

Die Studie des SVGW zeigt: In PET-Flaschen verkauftes Mineralwasser ist sowohl gekühlt als auch ungekühlt deutlich weniger ökologisch als Leitungswasser, dem durch ein Soda-Gerät Kohlensäure zugesetzt wurde.

Durch Kühlung und Zusetzen von Kohlensäure erhöhe sich die Umweltbelastung von Hahnenwasser zwar deutlich, doch auch dann seien sie immer noch tiefer als jene von Mineralwasser aus dem Laden. Wer aus Geschmacksgründen kohlensäurehaltiges Wasser bevorzuge, wähle am besten ein Soda-Gerät als ökologisch vertretbarste Option.  


Die 
Studie setzt die Umweltbelastung von Mineralwasser aber stark in Relation zum Gesamtkonsum: «Der Konsum von Hahnenwasser und Mineralwasser trägt insgesamt nur wenig zu den gesamten Umweltbelastungen bei.» Der Anteil des Themas «Wasser» liege im Vergleich zu den Gesamtbelastungen durch den privaten Konsum nur bei 2,4 Prozent. «Den Konsum von Mineralwasser einzuschränken, hat somit kaum eine messbare Umweltwirkung», schlussfolgert David Arnold im Interview.  


Wer seine bzw. ihre private Umweltbelastung durch Wasser senken will, verkleinert am besten seinen bzw. ihren Warmwasserverbrauch: Kurz duschen statt baden, kältere Wassertemperaturen, wo möglich, und auch mit kaltem Wasser Händewaschen.  

Statistik der Woche

Hast du gewusst, dass...?

Interessante Zahlen und Fakten zum Thema «Trinkwasser»
Interview der Woche

«Gäste schätzen die Ursprünglichkeit von Mineralwasser»

David Arnold ist Leiter Kommunikation beim Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten. Im Interview beantwortet er Fragen zur Herkunft-, PFAS-Belastung und Nachhaltigkeit von Mineralwasser.  

Woher stammt Schweizer Mineralwasser genau und worin unterscheidet es sich qualitativ von normalem Trinkwasser aus dem Hahn?   

  

Arnold: In der Schweiz wird Mineralwasser an rund 20 unterirdischen, geschützten Quellen abgefüllt. Im Gegensatz zu Leitungswasser muss Mineralwasser laut Gesetz am Quellort unbehandelt in verschliessbare Behältnisse abgefüllt werden, damit seine ursprünglichen Eigenschaften erhalten bleiben. Mineralwasser durchfliesst jahrelang Gestein und nimmt so Mineralien und Spurenelemente auf – daher hat jedes Wasser eine typische Mineralisierung. Es muss höchste Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllen. Nur Kohlensäure darf in der Produktion hinzugefügt werden.   

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Wie oft und von wem wird das Mineralwasser kontrolliert? Was sind die Kriterien?    

  

Arnold: Damit ein Wasser als natürliches Mineralwasser gilt, muss es den Vorschriften der Getränkeverordnung entsprechen. Die Abfüller prüfen ihr Mineralwasser chargenweise – also jede abgefüllte Produktionsmenge – chemisch, mikrobiologisch und sensorisch. Zusätzlich führen externe Labors Kontrollen durch. Diese Untersuchungen bestätigen konstant eine hohe Qualität von natürlichem Schweizer Mineralwasser.   

 

  

Stehen bestimmte Stoffe wie PFAS oder Pestizide derzeit besonders im Fokus?   
  

Arnold: PFAS sind in der Natur allgegenwärtig. In einzelnen Mineralwässern sind in der Vergangenheit geringste Spuren nachgewiesen worden. Die Spuren sind unschön, aus gesundheitlicher Sicht jedoch harmlos. Sie liegen weit unter den Höchstwerten, die für Trinkwasser und Lebensmittel gelten.  

 

  

Wieso braucht die Schweiz als Trinkwasser-Land überhaupt Mineralwasser – in welchen Situationen ist Mineralwasser klar im Vorteil?    

  

Arnold: Natürliches Mineralwasser ist von Natur aus einwandfrei trinkbar und steht für konstante Qualität und Sicherheit. Leitungswasser hingegen kann aus Seen und Flüssen gewonnen werden. Da es Einflüssen aus der Umwelt ausgesetzt ist, muss es teilweise aufbereitet werden. Zur Aufbereitung von Trinkwasser, das heisst, zur Desinfektion, sind laut der entsprechenden Verordnung unter anderem die UV-Bestrahlung und die Chlorung erlaubt.  Dagegen muss Mineralwasser bereits an der Quelle einwandfrei sein 

 

Spüren Sie Auswirkungen des Klimawandels auf QuellenWie sichern Sie die langfristige Verfügbarkeit Ihrer Quellen?    
  

Arnold: Mineralquellen liefern dauerhaft gleich viel Wasser, unabhängig von kurzfristigen Einflüssen wie Regen, Trockenheit oder Temperaturschwankungen. Damit die hohe Qualität von Mineralwasser erhalten bleibt, ist aber aktiver Quellenschutz nötig. Gebiete um die Mineralquellen sind deshalb Schutzzonen. Unternehmen, die natürliches Mineralwasser abfüllen, schützen ihre Quellen in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Dazu zählen unter anderem Landwirte und Gemeinden. Abfüller von natürlichem Mineralwasser überwachen die klimatischen Bedingungen und die Wasserströme, um eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen zu gewährleisten.  


Welche konkreten Schritte unternehmen Mineralwasserhersteller, um den ökologischen Fussabdruck zu reduzieren?    

Getränkehersteller reduzieren die Umweltauswirkungen kontinuierlich – unter anderem mit erneuerbarer Energie, durch Recyclingmaterial und leichtere Verpackungen. Laut einer Studie des BAFU zählen PET-Flaschen zu den Getränkeverpackungen mit den geringsten Umweltauswirkungen, weil sie leicht sind und gut recycelt werden können. PET ist ein Wertstoff und Teil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. 

 
  

Hat sich das Verhältnis zwischen abgefülltem Mineralwasser und dem normalen Trinkwasser in den letzten 25 Jahren verändert?  

  

Arnold:  Natürliches Mineralwasser ist nach wie vor das beliebteste Kaltgetränk. Im Vordergrund stehen Genuss und die gesunde Hydrierung. Trinkwasser wird auch zum Kochen und Waschen verwendet. Wir sind dankbar, dass wir in der Schweiz eine gute Wasserversorgung haben. Dennoch legen wir Wert auf eine korrekte Unterscheidung zwischen natürlichem Mineralwasser und Leitungswasser. 

  

In der Gastronomie wird heute statt natürlichem Mineralwasser oft aufbereitetes Leitungswasser angeboten. Aus wirtschaftlicher Sicht sollte dies hinterfragt werden, weil die Zahlungsbereitschaft für das Naturprodukt Mineralwasser höher ist als für Leitungswasser. Gäste schätzen die Ursprünglichkeit von Mineralwasser. Damit sichert es wichtige Margen für die Gastronomie. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Schweizer Trinkwasser besteht zu 80% aus Grund- und Quellwasser und zu 20% aus Seewasser. Es wird regelmässig mithilfe modernster Messgeräte kontrolliert. Analysiert werden Wasserproben auf Mikroorganismen, Schadstoffe wie Pestizide oder Medikamentenrückstände sowie Chemikalien.

  • Die Schweiz wird auch oft «Wasserschloss Europas» genannt: Wir befinden uns nicht nur zuoberst in Europa – sondern geografisch gesehen auch «mitten drin». 

  • Grundwasser wird bereits durch den Boden so gründlich gereinigt, dass es in manchen Gemeinden nicht mehr aufbereitet werden muss, sondern direkt ins Leitungsnetz gespeist wird.

  • Mineralwässer werden direkt an den Quellen abgefüllt, ganz ohne Aufbereitung. Das garantiert wertvolle Mineralien, denn dieses Wasser hat lange Zeit Gestein durchflossen. 

Für den vorliegenden Multimedia-Beitrag wurden folgende Quellen verwendet:


Entstehung und Kontrolle von Trinkwasser:
 
Wasserversorgung | Stadt Zürich  
«Das Grundwasserwerk Hardhof» - Stadt Zürich, Wasserversorgung 
Eawag - das Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs - Eawag 
https://www.bafu.admin.ch/de/naqua-pfas 
SR 817.022.11 - Verordnung des EDI vom 16. Dezember 2016 über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV) | Fedlex 

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Weil wir nicht nur trinken, sondern auch essen müssen: Hast du schon unseren letzten Beitrag zum Thema «Treibhäuser» gesehen?

Gemüse unter Glas: Darum liegen Gewächshäuser im Trend
Familie Richter – Hauptartikel
13. 01. 2026
Folgende Fragen werden im Beitrag beantwortet: Worin unterscheiden sich Gewächshäuser, Treibhäuser und Folientunnel
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