Familie Richter – Themenartikel
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«Agrarwissenschaften ETH» – ein Studium für Weltveränderer

Diese Woche diskutiert Familie Richter über das Studium «Agrarwissenschaften» an der ETH. Foto: Alessandro Della Bella / ETH Zürich

Aktuell leben über acht Milliarden Menschen auf der Welt und die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass es bis ins Jahr 2050 bereits zehn Milliarden sein werden. Damit die Nahrungsmittelversorgung auch in 25 Jahren noch gewährleitet ist, müssen die landwirtschaftlichen Erträge rund um den Globus massiv gesteigert werden. Hier setzt das Studium «Agrarwissenschaften» der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) an.  

Die Agrarwissenschaften erforschen, wie Kulturpflanzen, Nutztiere und landwirtschaftliche Produktionssysteme weiterentwickelt werden können, damit die Ernährungssicherheit weltweit steigtDabei berücksichtigen sie den nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen. In diesem Beitrag werfen wir einen tieferen Blick auf diesen zukunftsweisenden Studiengang. 

Für wen eignet sich das Agrarwissenschaftsstudium?
Und was lernt man in diesem Studium so?

Bachelor und Master: Vom Allgemeinen zum Spezifischen 

Die Erkenntnisse aus den Agrarwissenschaften erhöhen die weltweite Ernährungssicherheit und Nahrungsmittelqualität – heute und in Zukunft. «Das Studium der Agrarwissenschaften an der ETH Zürich enthält viele Praxiselemente – sowohl im Bachelor- als auch im Masterprogramm. Studierende arbeiten im Feld, besuchen landwirtschaftliche Betriebe, absolvieren Praktika und Exkursionen und bearbeiten reale Fragestellungen aus der Landwirtschaft», betont Studiengangsleiter Prof. Dr. Bruno Studer im Interview am Ende dieses Beitrags den praktischen Aspekt des Studiums. 


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Doch wer eignet sich für dieses Studium? Voraussetzungen sind ein breites Interesse an Naturwissenschaften und Neugier auf die ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen im eigenen Land, aber auch im internationalen Kontext. Zudem hilft die Fähigkeit komplexe Systeme zu verstehen und Daten zu analysieren. Eine landwirtschaftliche Vorbildung ist für das interdisziplinär aufgebaute Studium nicht Voraussetzung.  

Geht es in den ersten beiden Semestern des Bachelorstudiums hauptsächlich um die Basisdisziplinen Biologie, Chemie, Mathematik und Physik, fokussieren das dritte und vierte Semester zunehmend auf Agrarökonomie sowie Pflanzen- und Tierwissenschaften. Im letzten Bachelor-Jahr können die Studierenden aus verschiedenen Veranstaltungen innerhalb der Fachbereiche auswählen, dazu kommen Methodik und ein Laborpraktikum. Die Bachelor-Arbeit beendet das dreijährige Bachelor-Studium.  

Während des folgenden Masterstudiums erwerben die Studierenden die Kompetenzen, die es braucht, um als Führungskräfte in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Dabei definieren die Studierenden ihren fachlichen Schwerpunkt selbst, und die Vorlesungen finden auf Englisch statt. Drei Vertiefungen stehen zur Auswahl: Pflanzenwissenschaften (Plant Sciences)Tierwissenschaften (Animal Sciences) oder Agrarökonomie (Agricultural Economics). Dazu kommen Ergänzungs- und Wahlfächer sowie ein weiteres Praktikum, das Masterstudium dauert regulär zwei Jahre 



Statistik der Woche
Interessante Zahlen und Fakten zum ETH-Studium Agrarwissenschaften

Thematische Vielfalt und familiäres Klima 

Um einen authentischen Einblick ins Studium Agrarwissenschaften zu erhalten, traf die «Familie Richter» zwei Studentinnen und eine Absolventin des Studiengangs an der ETH. Masterstudentin Svenja Schellenberg kam durch das Aufwachsen auf einem Bauernhof früh mit landwirtschaftlichen Abläufen in BerührungAusschlaggebend für ihre Studienwahl sei das aber nicht gewesen. Vielmehr vereine das Studium ihre Lieblingsfächer Biologie und Wirtschaft  «eine einmalige Kombination», so Schellenberg. Auch die grosse Bandbreite der Themen habe sie überzeugt «Von globalen Themen wie Welternährung oder tropischen Systemen bis zur einheimischen Alpwirtschaft kann man hier seine Interessen vielseitig abdecken.» 

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Anders als Schellenberg ist Absolventin 
Flurina Zahn nicht auf einem bäuerlichen Betrieb aufgewachsen. Doch sie findet: Das Studium eigne sich grundsätzlich für alle, die sich stark für Nachhaltigkeit, Politik und Ernährung interessieren. «Alles ist in ein grösseres System eingebettet», so die frühere Lebensmitteltechnologie-Studentin. Besonders schätzt Zahn, dass lange Lern- und Prüfungsphasen immer wieder durch Exkursionen, praktische Anwendungen und Forschungsarbeiten aufgelockert würden.
 

Ein Vorlesungsbesuch auf Tipp eines Bekannten genügte – und Masterstudentin Sara Holdener wusste sofort, dass sie Agrarwissenschaften studieren will. Besonders schätzt sie neben der thematischen Vielfalt die überschaubare Grösse ihres Studiengangs: «Als ich anfing, waren wir etwa 40 Studenten. Dadurch ist das Verhältnis familiär und der Zusammenhalt grosse.»  

Das familiäre Klima, das Sara Holdener an ihrem Studiengang schätzt, ist auf grösserer Ebene betrachtet ein Problem: Eine vom Verband der Ingenieur-Agronomen und Lebensmittel-Ingenieure (SVIAL) beauftragte Studie zeigte 2013, dass es in der Schweiz teilweise an Agronomen mangelt, und Unternehmen gerade in Forschung und Entwicklung oft auf ausländische Spezialistinnen und Spezialisten ausweichen müssen. Gleichzeitig steht die Landwirtschaft vor grossen Herausforderungen: Klimawandel, Biodiversitätsverlust und der Druck, nachhaltig und effizient zu produzieren, erhöhen den Bedarf an gut ausgebildeten Fachpersonen.  

Schellenberg und Holdener arbeiten heute in der betriebswirtschaftlichen Beratung eines Verbandes, Zahn in der Umweltberatung. Wie ihnen das Studium auch über den fachlichen Aspekt hinaus für ihre heutige Tätigkeit als Beraterinnen geholfen hat, erzählen sie im Video: 


Video der Woche

«Architektinnen und Architekten des Ernährungssystems» 

Dass die Fähigkeiten, die Studierende während ihrer Studienjahre der Agrarwissenschaften an der ETH erwerben, auf einer übergeordneten Ebene nützlich sind – und nicht nur rein fachlich – bestätigt auch Prof. Dr. Nina Buchmann im Podcast«Die Abgängerinnen und Abgänger lernen, strukturiert und systemisch zu denken. Tief im Fach, aber ohne den ganzheitlichen Blick zu verlieren», so die Professorin für Graslandwissenschaften am ETH-Departement für Umweltwissenschaften. Buchmann hat in ihrer langjährigen Karriere schon mehrere begehrte Wissenschaftspreise abgeräumt, etwa 2022 die Ehrenmedaille der Gesellschaft für Ökologie 


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Die 
in Pflanzenökologie promovierte Professorin ist Mitglied und Mitbegründerin einer Vielzahl Institutionen, die sich damit befassen, die nachhaltige Ernährungssicherheit weltweit voranzutreiben. Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Agrarwissenschaften an der ETH beschreibt sie in der aktuellen Podcast-Folge eloquent als «Architektinnen und Architekten des Ernährungssystems»: «Ob in Organisationen, Bundesämtern, auf Landwirtschaftsbetrieben oder sonst in der Wirtschaft bringen sie viel Fachwissen und die Fähigkeit zu kritischem Hinterfragen mit», sagt Buchmann.
 

Auch erwähnt die Professorin, dass der Aspekt Landwirtschaft schon immer ein wichtiger Bestandteil der ETH war und dies weiterhin sein wird: «Gerade in einer globalisierten Welt gewinnt Landwirtschaft an Bedeutung.» Für ein nachhaltiges globales Ernährungssystem flössen viele technische Studienbereiche in die Landwirtschaft ein, die sich nicht weniger entwickle als andere Branchen. «Dieser Studiengang ist enorm wertvoll und bleibt es weiterhin», so Buchmann.  
 

Im Podcast geht sie unter anderem darauf ein, wie sich der Studiengang in den letzten 25 Jahren verändert hat – und wie er sich künftig weiter verändern wird: 


Podcast-Folge der Woche

Ein Studium mit Zukunft 

Im Jahr 2025 haben über 3600 Personen an der ETH ein Bachelor-Studium aufgenommen – besonders beliebt sind laut der Hochschule die Studiengänge Mechanik und Informatik, gefolgt von Architektur, Gesundheitswissenschaften und Elektrotechnik. Insgesamt studieren über 26’000 Studierende aus der ganzen Welt an der ETH in Zürich. Doch relativ unbekannt im Vergleich mit anderen ETH-Studiengängen sind die «Agrarwissenschaften»: Im Herbst 2024 gab es gerade einmal 34 Neueintritte im Bachelorstudium – in stark nachgefragten ETH-Studiengänge beginnen jeden Herbst jeweils mehrere hundert Interessierte das Studium. 

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Das Agrarwissenschaften-Studium an der ETH ist also 
ein vergleichsweise kleiner, spezialisierter Studiengang. Und dies, obwohl seine Absolventinnen und Absolventen vor vielversprechenden Berufsaussichten stehen. Typische Berufe nach dem Agrarwissenschaftsstudium an der ETH sind etwa: 

    • Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsinstitut im Bereich Agrarökologie, Pflanzenbau oder Tierwissenschaften 

    • Berater im öffentlichen oder privaten Agrarsektor 

    • Dozent oder Dozentin an einer Berufs- oder Fachhochschule 

    • Expertin bei einer Organisation für internationale Zusammenarbeit 

    • Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Marketing bei Grossverteilern 

    • Teamchef für Anbau- und Produktionsrichtlinien bei einem Lebensmittelkonzern 


Und wer weiss, vielleicht werden derzeitige Studierende der Agrarwissenschaften ETH auch einmal Bundesrätin oder Bundesrat, wie auch Albert Rösti, der derzeitige Vorsteher des Eidgenössischen Departments für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Während seines Agrarstudiums an der ETH habe Rösti vor allem ein analytisches Denken erlernt, das ihm auch heute als Bundesrat oft helfe, komplexe Probleme auf einfache und eingängige Art zu umreissen und vor allem zu lösen. «Insbesondere die Agrarökonomie hat für mich das Kleine, Sichtbare mit dem Übergeordneten, Wissenschaftlichen zusammengeführt», so der Bundesrat auf Anfrage. 

Ausgangspunkt für seine berufliche Laufbahn war das ETH-Agrarstudium auch für Dr. Robert Huber, der heute als Dozent an derselben Hochschule Agrarökonomie und -politik unterrichtet. Prägend sei für Huber besonders das systemische Denken gewesen: «Landwirtschaft im Zusammenspiel von Natur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu verstehen. Dieses kritische, wissenschaftlich fundierte Denken begleitet mich bis heute in meiner Lehre und Forschung an der ETH.» 

«Einen vollen Rucksack mit Fachwissen und Begeisterung für die Land- und Ernährungswirtschaft» habe Martin Rufer, aktueller Direktor des Schweizer Bauernverbandes, aus dem agrarwissenschaftlichen Studium an der ETH mitgenommen. «Durch die Breite des Studiums erkennt man rasch, dass es in der Landwirtschaft Zielkonflikte gibt, und es die ‘eierlegende Wollmilchsau’ nicht gibt», so Rufer weiter. 

Und auch Michael Feitknecht, Vorsitzender in der Geschäftsleitung der Agrargenossenschaften fenaco, habe vom Studium Agrarwissenschaften profitiert«Praktisch anpacken kann ich seit meiner Kindheit auf einem Bauernhof im Tessin. An der ETH lernte ich dann, wie man komplexe Zusammenhänge strukturiert analysiert, um die Herausforderungen der Land- und Ernährungswirtschaft besser zu verstehen», sagt Feitknecht 
 

«Zürich ist gar nicht so schlimm!» 

Auch der Netzwerk-Aufbau während der Studienzeit habe Feitknecht geholfen, seine heutige berufliche Position bei der fenaco zu erreichen. Und was würde der Studiendirektor Prof. Dr. Bruno Studer einer Bauernfamilie sagen, die zögert, ihr Kind zum Studieren an die ETH zu schicken? «Zürich ist gar nicht so schlimm!», antwortet Studer scherzhaft im Interview 


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Der Entlebucher resümiert zudem: Das Studium habe ihm ermöglicht, seine landwirtschaftliche, traditionelle Herkunft mit technologischem Fortschritt und Innovation zu verbinden. «Als Studiendirektor ist es mir wichtig, dass unser Studium nicht nur wissenschaftlich exzellent ist, sondern auch den Bezug zur Praxis behält.»  


Die verbreitete Befürchtung, der Studiengang sei zu theoretisch, teilt er nicht. Im nachfolgenden Interview verrät Studer zudem, welche systemverändernden Technologien an der ETH erfunden wurden und wie sich das Studium über die Jahrzehnte verändert hat: 


Interview der Woche

«Nachhaltigkeit beinhaltet immer drei Dimensionen: eine ökologische, eine ökonomische und eine soziale.»

Professor Dr. Bruno Studer ist seit 2016  an der ETH Professor für Molekulare Pflanzenzüchtung der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit AgroscopeSeit 2012 war er an der ETH Zürich Assistenzprofessor für Futterpflanzengenetik im Rahmen einer Förderungsprofessur des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). 

Herr Studer, Sie sind auf einem Milchwirtschaftsbetrieb in der Zentralschweiz aufgewachsen. Wie viel von diesem «Bauernbuben» steckt heute noch in Ihrer Arbeit als Studiendirektor an der ETH? 

Da steckt noch sehr viel davon drin. Die Prägung aus den Jugendjahren verliert man nicht – und ich bin auch froh darum. Die Arbeit auf dem familiären Betrieb hat mir früh gezeigt, wie komplex Landwirtschaft ist: Man arbeitet mit Boden, Pflanzen, Tieren, Wetter, Märkten und Politik gleichzeitig.  

Diese Erfahrung hilft mir heute enorm. Als Studiendirektor ist es mir wichtig, dass unser Studium nicht nur wissenschaftlich exzellent ist, sondern auch den Bezug zur Praxis behält. Wer Landwirtschaft aus eigener Erfahrung kennt, kann viele Themen gut einordnen und versteht, welche Lösungen auf dem Feld oder im Stall wirklich funktionieren. 

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Helfen Sie heute noch manchmal auf dem elterlichen Betrieb mit?
 

Wann immer ich Zeit finde, helfe ich sehr gerne mit – am liebsten zusammen mit meinen beiden Söhnen. Mir ist wichtig, dass sie den Bezug zur Landwirtschaft und zur Lebensmittelproduktion aus erster Hand erleben. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen den Kontakt zur Produktion verloren haben, ist es wertvoll zu sehen, wo unsere Nahrung herkommt, und wie viel Wissen und Arbeit dahintersteckt. 


Viele fürchten, das ETH-Studium sei zu theoretisch. Warum profitieren gerade junge Leute mit bäuerlichem Hintergrund von der Ausbildung in Zürich?
 

Diese Befürchtung teile ich nicht. Das Studium der Agrarwissenschaften an der ETH Zürich enthält viele Praxiselemente – sowohl im Bachelor- als auch im Masterprogramm. Studierende arbeiten im Feld, besuchen landwirtschaftliche Betriebe, absolvieren Praktika und Exkursionen und bearbeiten reale Fragestellungen aus der Landwirtschaft. 

Gleichzeitig bietet das Studium aber auch eine sehr solide naturwissenschaftliche Grundlage in Fächern wie Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Informatik und Datawissenschaften. Diese Kombination ist einzigartig. Gerade für junge Menschen mit landwirtschaftlichem Hintergrund ist das eine grosse Chance: Sie können ihre praktischen Erfahrungen mit wissenschaftlichem Verständnis verbinden – und dadurch landwirtschaftliche Systeme ganzheitlich denken und weiterentwickeln. 


Nicht jeder Absolvent oder jede Absolventin wird Professor wie Sie. Wo landen Ihre Studierenden nach dem Abschluss? Und wie kommt dieses Wissen konkret zurück auf die Schweizer Betriebe?
 

Die Vielfalt der Karrieren, welche ein Agrarwissenschaftsstudium der ETH Zürich ermöglichtist tatsächlich beeindruckend. Ein Teil unserer Absolventinnen und Absolventen kehrt auf Landwirtschaftsbetriebe zurück und bringt das Wissen direkt in die Landwirtschaft ein, häufig in Kombination mit einer weiteren Tätigkeit. Viele andere arbeiten in Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskettezum Beispiel in der Beratung, in leitenden Funktionen von Firmen im Agrar- und Lebensmittelbereich oder in der Lehre. Andere gründen eigene Start-upsgehen in die Verwaltung, in internationale Organisationen oder in die Forschung. Gerade diese Breite ist ein grosser Vorteil für die Schweizer Landwirtschaft: Das Wissen fliesst auf vielen Ebenen zurück in die Praxis – von neuen Produktionsmethoden über innovative Technologien bis hin zu politischen Rahmenbedingungen. 


Können Sie ein konkretes Beispiel nennen für eine Erfindung oder Methode aus der ETH, die heute schon auf Zürcher Höfen eingesetzt wird?
 

Da gibt es viele Beispiele – etwa Sortenmischungen im FutterbauAuch neue Fütterungskonzepte oder Methoden zur präziseren Nährstoffbewirtschaftung haben ihren Ursprung in der Forschung an der ETH Zürich oder in der engen Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen. Weitere Beispiele kommen aus der Tier- und Pflanzengenetik, wo mit modernsten Methoden Tests entwickelt worden sind, welche in der Tier- und Pflanzenzüchtung verwendet werden. Zudem ist die ETH Zürich bekannt für neue Technologien wie Drohnen, Sensoren oder Robotiksysteme, die Landwirtinnen und Landwirten helfen, Felder präziser zu beobachten und Ressourcen effizienter einzusetzen. 


Wie hat sich das Studium über die Jahrzehnte verändert? Oft kommt in der Praxis der Vorwurf, dass die ETH sich zunehmend um ökologische Aspekte bemüht und immer weniger um die Produktion – teilen Sie diese Einschätzung?
 

Nachhaltig sollen Landwirtschaftssysteme seinNachhaltigkeit beinhaltet immer drei Dimensionen: eine ökologische, eine ökonomische und eine soziale. Produktion ist also ein integraler Bestandteil von Nachhaltigkeit. 

Unser Ziel im Studium ist es, genau an dieser Schnittstelle zu arbeiten: Wie können wir produktive Landwirtschaft mit ökologischer Verantwortung verbinden? Wo entstehen Synergien zwischen Umweltleistungen und wirtschaftlicher Produktion? Diese Fragen sind wissenschaftlich hoch spannend und gleichzeitig für die Praxis direkt relevant. 


Klimawandel und Regulierungen setzen die Landwirtschaft unter Druck. Welches Werkzeug gibt das Studium den Absolventen in die Hand, um diese Krise zu meistern?
 

Um gute Lösungen zu entwickeln, muss man die Ursachen eines Problems wirklich verstehen. Klimawandel ist ein gutes Beispiel: die Agrarwissenschaften an der ETH Zürich sind Teil des Departements für Umweltsystemwissenschaften. Dadurch interagieren unsere Studierenden mit führenden Forschenden aus den Bereichen Klimatologie, Ökologie, Bodenwissenschaften und Ökonomie. Das schafft ideale Bedingungen, um ein systemisches Verständnis für Herausforderungen wie den Klimawandel zu entwickeln – und daraus innovative und anhaltende Lösungen abzuleiten. 


Von Drohnen bis Genetik: Wie viel Hightech verträgt – oder braucht – die Schweizer Landwirtschaft von morgen?
 

In anderen Bereichen der Gesellschaft (wie etwa in der Mobilkommunikation) sehen wir, dass technologische Durchbrüche enorme Entwicklungsschübe auslösen können. Auch in der Landwirtschaft kann Technologie viel beitragenDie entscheidende Frage ist jedoch nicht, wie viel Technologie es braucht, sondern wo sie sinnvoll eingesetzt werden kann, um die Landwirtschaft zu unterstützen und nachhaltige Lösungen zu schaffen. 


Welche Fähigkeiten müssen ETH-Absolventinnen und -Absolventen heute mitbringen, die früher weniger wichtig waren?
 

Unsere Gesellschaft verändert sich rasant. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und globale Vernetzung prägen zunehmend auch die Landwirtschaft. Deshalb brauchen Absolventinnen und Absolventen heute nicht nur fachliches Wissen, sondern auch die Fähigkeit, komplexe Systeme zu verstehen, Daten zu analysieren und interdisziplinär zu arbeiten. Genau diese Kompetenzen vermittelt unser Studium. Und deshalb sind unsere Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt. 


Schlussfrage: Was würden Sie einer Bauernfamilie sagen, die zögert, ihre Tochter oder ihren Sohn nach Zürich an die ETH zu schicken?
 

Als Entlebucher würde ich mit einem Schmunzeln sagen: «Zürich ist gar nicht so schlimm». Mir persönlich hat das Studium in Agrarwissenschaften viel gebracht. Es hat mir ermöglicht, meine landwirtschaftliche, traditionelle Herkunft mit technologischem Fortschritt und Innovationen zu verbinden. Das ist nicht nur einzigartig, sondern auch hochspannend! 


Das Wichtigste in Kürze:

  • Agrarwissenschaftler:innen helfen, die weltweite Ernährungssicherheit zu erhöhen. 

  • Studierende der Agrarwissenschaften an der ETH arbeiten im Feld, besuchen landwirtschaftliche Betriebe und absolvieren Praktika und Exkursionen.

  • Das Studium eignet sich für alle, die sich stark für Nachhaltigkeit, Politik und Ernährung interessieren – landwirtschaftliche Kenntnisse sind keine Voraussetzung für das Studium. 

  • Während des dreijährigen Bachelorstudiums geht es sehr breit um naturwissenschaftliche Basisfächer, im zweijährigen Masterstudium vertiefen die Studierenden eines von drei Fachgebieten. 

  • Bekannte Schweizer Persönlichkeiten wie etwa der Bundesrat Albert Rösti oder Martin Rufer, der aktuelle Direktor des Schweizer Bauernverbandes, haben ihre berufliche Laufbahn mit einem Agrarstudium an der ETH begonnen. 

Folgende Quellen wurden für den vorliegen Beitrag konsuliert:
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Erfahre im letzten Familie Richter-Beitrag, wieso bäuerliche Vertreter in der Schweizer Politik so mächtig sind:

Zwischen Feld und Parlament – Landwirte in unserer Politik
Familie Richter – Themenartikel
10. 03. 2026
Unser Land wird von sieben Bundesräten regiert. Vier davon haben einen bäuerlichen Hintergrund. Zufall oder Berechnung? Wie kommt es, dass die Landwirtschaft aktuell im Parlament über 20 Sitze hält, während andere Wirtschaftssektoren darin kaum vertreten sind? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zuerst einmal die Zeit zurückdrehen.  Diese Woche diskutiert die Familie Richter über... ...die Bäuerinnen und Bauern in der Schweizer
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