Diese Woche diskutiert Familie Richter über die Büsis in der Schweiz.
Die folgenden Fragen werden im Artikel beantwortet:
Wie viele Katzen gibt es etwa in der Schweiz?
Wie viele davon sind «unkontrolliert» und was heisst das überhaupt?
Wo leben die meisten Katzen in der Schweiz, wo die wenigsten?
Wie gross ist die «Katzendichte» in Städten wie Zürich?
Was hat das Fressverhalten von Katzen für einen Einfluss auf die Ökologie und tierische Artenvielfalt?
Wieso gibt es noch keine Kastrationspflicht?
Wieso besitzen vor allem Frauen oftmals Katzen; Männer eher seltener?
Sie sind süss, eigenwillig, oft tollpatschig und verspielt. Nicht nur das World Wide Web verfälltKatzen seit Jahren – «Cat Content» macht rund 15 Prozent des weltweiten Internet-Traffic aus –, auch in der physischen Welt wächst die Bedeutung der schnurrenden Vierbeiner: In der Schweiz hat sich die Katzenpopulation in den letzten rund 15Jahren nahezu um ein Drittel erhöht, vongeschätzt1,4 Mio. Katzen im Jahr 2008 auf eine geschätzte Population von 1,85 Mio. Katzen im Jahr 2022. Aktuellste Schätzungen gehen bereits von zwei Millionen Katzen in der Schweiz aus. Die meisten Katzen leben im Mittelland und der Romandie, am wenigsten in der Zentralschweiz und in den Schweizer Bergen.
Doch Katze ist nicht gleich Katze. Der Tierarzt Peter Rogger vom Veterinäramt Zürich unterscheidet im Interviewam Ende dieses Beitragsgrundsätzlich drei Gruppen: «Freigängerkatzen», auch «Streuner» genannt, sind gehaltene Hauskatzen mit Zugang zur Aussenwelt.Verwilderte Hauskatzen leben dauerhaft ohne Besitzerin oder Besitzer draussen. Und die Europäische Wildkatze – auch «Waldkatze» genannt – ist ein echtes Wildtier.» Wo sie in der Schweiz vorkommt, verrät Dr. med. vet. Peter Rogger ebenfalls im Interviewweiter unten.
Warum die süssen Fellnasen auch ein Problem sind
Tierschutzorganisationen und Medien verwenden zudem oft den Sammelbegriff «unkontrollierte Katzen» für Katzen, die sich unkontrolliert vermehren können – da sie nicht kastriert sind und sich draussen aufhalten.(Die geschützte Wildkatze gehört jedoch nicht in diese Gruppe.)
Kennzeichnung und Kastration von Hauskatzen sind hierzulande keine gesetzliche Pflicht, deshalb gibt es keine exakten Zahlen dazu, wie viele Katzenes tatsächlich in der Schweiz gibt. Klar ist jedoch: Katzen leben dicht gedrängt, besonders in urbanen Gebieten. Bereits 2008 hatten über 70 Prozent der damals geschätzt 1,4 Millionen Katzen Freilauf, in der Stadt Zürich bewegten sich auf einem Quadratkilometer 430 freilaufende Samtpfoten. Zum Vergleich: Auf derselben Fläche lebten damals nur zehn bis 15 Stadtfüchse.
Damit sind Katzen die häufigsten Beutegreifer in Schweizer Städten: Sie fangen Vögel, Mäuse, Amphibien oder Insekten und nehmen damit stark Einfluss auf die tierische Artenvielfalt – selbst, wenn sie zu Hause bei Frauchen oder Herrchen (ebenfalls) gefüttert werden.
Katzen sind die häufigsten Beutegreifer in Schweizer Städten.
Tchaikovsky gefällt das gar nicht...
«Mehr als 10 Millionen Wildtiere werden in der Schweiz pro Jahr von Katzen getötet», schreibt der Beobachter im Jahr 2019, «Hauskatzen in der Schweiz töten jedes Jahr 30 Millionen Vögel und eine halbe Million Reptilien und Amphibien», der Blick nur fünf Jahre später. Besonders im Juni trifft es die Vögel hart, weil dann die Jungen schlüpfen. Und besonders in den Städten sind die frisch geschlüpften Vögel besonders durch Katzen bedroht.
Diese Massnahme hatte zum Ziel, die bodenbrütende Haubenlerche zu schützen, eine vom Aussterben bedrohte Vogelart. Doch Walldorfer Katzenhalterinnen und -halterzeigten sich wenig erfreut über die strikte Vorschrift: «Mein Kater Tchaikovsky jammert den ganzen Tag und ist unsagbar unglücklich», wird ein Anwohner von der deutschenBILD-Zeitung zitiert.
Die Katze ist das beliebteste Haustier von Herr und Frau Schweizer.
Katzen auf der Schweizer Politbühne
Radikale Ansätze wie dieser gibt es in der Schweiz nicht, dennoch werden auch hierzulande immer wieder neue politische Lösungen gegen eine Überpopulation diskutiert. So forderte etwa im Kanton Aargau der grüne Politiker Thomas Baumannim Jahr 2024in einer Motion die Gleichbehandlung von Katzen und Hunden:
Sind denn nur Stadt-Katzen problematisch? Obwohl in Schweizer Städten die Dichte an Katzen sehr hoch ist, wäre es ein Trugschluss, anzunehmen, dass sich in Städten auch die meisten unkontrollierten Katzen befinden. Die Studie «Estimation of the Uncontrolled Cat Population within the Framework of Neutering Campaigns in Switzerland»aus dem Jahr 2024 zeigt: Rund zwei Drittel aller unkontrollierten Katzen in der Schweizleben auf Bauernhöfen.
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«Anhand der ausgewerteten Daten und Modellierungsergebnisse liegt die Anzahl der unkontrollierten Katzen in der Schweiz zwischen 125’000 und 700’000», so die Studien-Autorinnen D. Farra und G. Schüpbach, wobei der wahrscheinlichste Wert bei ca. 225’000 liege.
Laut Farra und Schüpbach ist der wirksamste Hebel gegen die Überpopulation, die Reproduktionsrate über die Verfügbarkeit von Futterquellen und Lebensraum zu begrenzen. Auch Tierarzt Rogger bestätigt im Interview, dass Kastration allein das Problem nicht löse: Bereits wenige, nicht kastrierte Katzen würden ausreichen, um den Bestand zumindest teilweise aufrechtzuerhalten, wohingegen «Kätzinnen, die in ihrem Habitat weniger Nahrung finden, auch weniger häufig trächtig werden», so Rogger.
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Problematisch..., aber trotzdem «Jöh!»
Während Schweizer Katzen für die tierische Biodiversität in unserem Land in erster Linie gefährlich sind, sind sie für viele Menschen in der Schweiz genau das Gegenteil –nämlich einfach unersetzlich! Mit einer Vertretung von 30 Prozent inSchweizer Haushalten sind Katzen hierzulande das Top-Haustier schlechthin – die Hunde folgen mit 12 Prozent abgeschlagenauf dem zweiten Platz.
Die meisten Katzenhalter in der Schweiz sind Katzenhalterinnen, nämlichfast 70 Prozent. Warum so viel öfter Frauen Katzen besitzen, haben verschiedene Studien schon versucht, herauszufinden. Kurz: Es könnte sein, dass Frauen zärtlicher mit Katzen umgehen als Männer; ein Verhalten, das Katzen klar bevorzugen.
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Doch die emotionale Bindung, die wir Schweizerinnen und SchweizerKatzen landauf landab anbieten, basiert meistens auf Gegenseitigkeit. Ein schönes Beispiel dafür, wie zwei kleine Vierbeinerdas Herz eines Menschen gewonnen haben, ist Daniil Ershov mit den Katzen Sonya und Gimli. Obwohl der junge «Katzenpapa» aus Erlenbach ZH anfangs lieber einen Hund wollte, hat er sich aus Liebe zu seiner Frau mit der Anschaffung der beiden Samtpfötchen einverstanden erklärt. Und diesen Entscheid bis heute nie bereut, wie er im Video erklärt.
Welche «Funktion» Katzen auf Bauernhöfen erfüllen, liegt für manche auf der Hand. Für andere empfiehlt es sich ebenfalls, insVideo reinzuschauen, in dem auch die ländliche Katzenbesitzerin Charlotte Krebs aus Neftenbach ZH zu Wort kommt:
Video der Woche
Interview der Woche
«Zu viele Katzen auf engem Raum – das sehen wir immer wieder»
Dr. med. vet. Peter Rogger, Abteilungsleiter Tierschutz beim Veterinäramt Zürich, erklärt im Interview, welche Mindestanforderungen Katzenhaltende erfüllen müssen und wo in der Schweiz heute noch echte Wildkatzen vorkommen.
Wie schätzt das Veterinäramt Kanton Zürich die Katzenpopulation im Kanton ein? Gibt es Hinweise auf eine Überpopulation, und falls ja: eher im ländlichen oder städtischen Raum?
Eine genaue Quantifizierung der Katzenpopulation ist nicht möglich, denn Katzen sind bisher in keinem Schweizer Kanton kennzeichnungs- und registrierungspflichtig.Die Schätzungen zum Gesamtbestand an Hauskatzen in der Schweiz belaufen sich auf knapp zwei Millionen Tiere. Auf freiwilliger Basis sind eine Kennzeichnung und Registrierung der Katzen möglich. In der entsprechenden Heimtierdatenbank «Anis» waren am 31. Juli 2025 schweizweit rund 790’000 Katzen erfasst. Dies entspricht rund 40% an der geschätzten Gesamtpopulation. Für den Kanton Zürich weist die Datenbank zum gleichen Zeitpunkt einen Bestand von rund 118’500 registrierten Katzen aus.
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Welche Rolle spielt die Kastration bei der Kontrolle der Katzenpopulation im Kanton Zürich? Gibt es Auflagen oder Empfehlungen für Katzenhalter bezüglich der Kastration von Freigängern?
Es gibt verschiedene Instrumente, um die übermässige Vermehrung von Freigängerkatzen zu unterbinden und somit die Bestände verwilderter Katzen zu verringern. Im Vordergrund steht die freiwillige Unterbindung der Fortpflanzungstätigkeit durch die Kastration der Tiere. Zu dieser Option entscheiden sich mittlerweile viele Katzenhalterinnen und –halter im Kanton Zürich, wie wir im Rahmen unserer Aufsichts- und Kontrolltätigkeit zu Tierhaltungen feststellen, und auch tierärztliche Praxen unsrückmelden. Auch die freiwillige Chipimplantation zur Registrierung der Katzen nimmt zu – vor allem, weil sie hilft, entlaufene Tiere wieder ihren Besitzerinnen und Besitzern zuzuführen.
Wie hoch ist aus Ihrer Sicht der Anteil an unkastrierten Freigängerkatzen?
In der Heimtierdatenbank «Anis» wird gut die Hälfte der registrierten Katzen als kastriert gemeldet, knapp 70 Prozent davon als Katze mit freiem Auslauf.
Wie unterscheidet das Veterinäramt zwischen verwilderten Hauskatzen, Streunern und echten Wildkatzen? Gibt es von Letzteren viele im Kanton Zürich?
Bei sogenannten Streunern oder Freigängerkatzen handelt es sich um gehaltene Hauskatzen, die freien Zugang zur Aussenwelt haben. Verwilderte Hauskatzen hingegen sind Katzen, die permanent draussen leben und keine Tierhalterin oder keinen Tierhalter haben. Die Übergänge zwischen diesen beiden Katzenpopulationen – Freigängerkatzen und verwilderte Katzen – sind fliessend, weil verwilderte Katzen sich mit Freigängerkatzen paaren können und da verwilderte Katzen teilweise auch von Menschen gefüttert werden. Die Europäische Wildkatze, auch Waldkatze genannt, ist ein Wildtier und lebt in der Schweiz vorwiegend im Jura. Aus dem Mittelland ist sie durch die dichte Besiedlung weitgehend verdrängt worden.
Gibt es bestimmte Fang- und Kastrationsprogramme oder andere Interventionen, um die Anzahl streunender Katzen im urbanen Raum zu reduzieren?
Katzenkastrationsaktionen werden in der Schweiz primär von Tierschutzorganisationen in Zusammenarbeit mit Tierarztpraxen durchgeführt. Sie tragen dazu bei, die Anzahl an unkastrierten, verwilderten Katzen zu reduzieren. Leider haben solche Programme lediglich einen begrenzten Nutzen, da es schwierig sein kann, allen Katzen eines fraglichen Gebiets habhaft zu werden und weil bereits relativ wenige, nicht kastrierte Katzen ausreichen, um den Bestand zumindest teilweise aufrechtzuerhalten. Fachleute finden es wirksamer, die Futterquellen in den Gebieten zu verringern, in denen streunende Katzen leben, statt direkt an den Katzen selbst einzugreifen. Denn Kätzinnen, die in ihrem Habitat weniger Nahrung finden, werden auch weniger häufig trächtig, womit die Reproduktionsrate sinkt.
Welche Mindestanforderungen stellt das Tierschutzgesetz an die Haltung von Katzen, insbesondere hinsichtlich Platzbedarfs, Beschäftigung oder sozialer Kontakte?
Die Mindestanforderungen der Tierschutzgesetzgebung sind, dass Katzen artgerecht untergebracht, gepflegt und beschäftigt werden. Einzeln gehaltene Katzen müssen täglichen Kontakt zu Menschen oder Sichtkontakt zu anderen Katzen haben. Werden Katzen in Gehegen gehalten, beispielsweise in einem Katzenzimmer, gelten für diese klare Platzvorgaben: mindestens 7 m² Fläche und 2 m Höhe für bis zu vier Katzen, plus 1,7 m² für jedes weitere Tier. Notwendig sind Rückzugsorte, erhöhte Liegeflächen, Kratz- und Klettermöglichkeiten sowie ausreichend Kotschalen.
Wie wird kontrolliert, ob Katzen im Kanton Zürich artgerecht gehalten werden und welche typischen Verstösse begegnen Ihnen dabei?
Gehen beim Veterinäramt Meldungen über unzureichende Haltebedingungen ein, erfolgt eine Kontrolle des Sachverhalts. Mängel, die hin und wieder festgestellt werden: Überbelegung, also zu viele Tiere auf engem Raum, mangelhafte Hygiene, unzureichende Pflege, etwa Verfilzungen, und eine ungenügende Anzahl an Kotschalen. Wenn sich ein Verdacht bestätigt und ein Fall tatsächlich tierschutzrelevant ist, verlangt das Veterinäramt, dass die Tierhaltenden die Mängel beheben. In ernsthaften Fällen wird später erneut kontrolliert, ob alles in Ordnung gebracht wurde.
Das Wichtigste in Kürze:
Beinahe 2 Mio. Katzen leben in der Schweiz – das sind mehr Katzen als Kinder von 0-19 Jahre.
Freigängerkatzen werden auch «Streuner» genannt: Das sind Hauskatzen mit Zugang ins Freie. Verwilderte Katzen haben keinen Besitzer und leben dauerhaft draussen. Ein echtes Wildtier ist aber nur die geschützte Wildkatze, auch «Waldkatze» genannt.
«Unkontrollierte» Katzen halten sich draussen auf und sind nicht kastriert – und können sich dadurch unkontrolliert vermehren. Es gibt ca. 225'000 unkontrollierte Katzen in der Schweiz.
Kennzeichnung und Kastration von gehaltenen Katzen sind in der Schweiz keine Pflicht, doch die Politik diskutiert immer wieder darüber.
Für den vorliegenden Beitrag wurden die folgenden Quellen verwendet:
Estimation of the Uncontrolled Cat Population within the Framework of neutering Campaigns in Switzerland, 2024, Universität Bern, vetsuisse-faktultät, D. Farra, G. Schüpbach